Nochmal Bahamas Konferenz

gerade bei poisonfree.com im politforum gefunden (um es lesen zu können muss man angemeldet sein..)

Bei Emopunk gerade mal so rumgelesen… hahahaha… wollte dort was posten und habs gelassen… und mach einen Teil von meinen Posting von dort hier rein, nachdem Ihr das hier gelesen habt.

http://www.myblog.de/scrupeda/
http://www.myblog.de/classless

Wo war die geforderte Vernunft bei Herrn Wertmüller bei seiner fünf bis sieben minütigen Hasstriade (übrigens mit hochrotem Kopf, zu tiefst emotional vorgetragen; da war doch nicht etwa die Irrationalität des Lebens im Spiel?) Mansch muss nicht linken To-dos verfallen, um ein Vokabular wie „arme, dreckige Araberfresse“ (Kontext: Herr Wertmüller unterstrich Nicolas Sarkozys Meinung, dass es sich genau um dieses Gesindel handelt und sah in den Riots – so habe ich das, vor allem auch durch respektive nach der Einleitung durch Frau Dreier, verstanden – einen größtenteils islamistisch, heterosexistisch motivierten Mob, der jedoch nicht von den Medien aus einer rechtsstaatlichen Sicht entsprechend kritisiert wird, sondern auch noch als Opfer der Umstände dargestellt wird; O-Ton: „die arme, dreckige Araberfresse in den Kameras“. Eine sehr verkürzte, wenn nicht sogar bewusst darauf heruntergebrochene, Sicht auf die sozialen Zusammenhänge in den Banlieues) zu kritisieren. Treffend im Classless-Blog:

„Die Figur des Provokateurs, den er dann als Vorklatscher des kollektiven Vernichtungswunsches denunzierte, paßte in gespenstischer Weise auf ihn selbst. Der sonst bei aller Kritik am Antirassismus beibehaltene Blick auf die vor dem Selbstausschluß aus der Gesellschaft erfolgte Ausschließung durch die Gesellschaft, die in den banlieues schon baulich überdeutlich ist, fehlte hier völlig. In lächerlicher Weise wurden diejenigen bedauert, die wegen der Riots nicht früh ins Bett kamen, um morgens an ihrem Ausstieg aus dem Elend zu arbeiten zu können.“

Erstaunlich dann auch, dass sich 300 Leute auf der Konferenz nicht davon gestört fühlten. Was sich aber durch die ganze Konferenz zog: die ReferentenInnen trugen vor und das Publikum schwieg; bei den anschließenden „Diskussionen“: wurden entweder Verständnisprobleme gelöst oder das Publikum wiederholte Teile der Beiträge, weil es wohl nicht aufmerksam zuhörte.

Zum Scrupeda Blog Beitrag:

„Das mit Mitschnitte in Netz stellen wird nix – ich bringe es nicht über mich, nachdem ich gebeten worden bin, es doch zu lassen. Die Begründung war aber durchaus verständlich – die Vorträge wären zu einem Großteil „Works in Progress“ und sollten in der nächsten Zeit zu Artikeln ausgearbeitet werden. Und nachlesen können ist allemal angenehmer als verzweifelt versuchen, Dahlmanns Nuschelei der dürftigen Tonqualität abzutrotzen.“

Warum eine Konferenz abhalten, wenn mansch unfertige „Works in Progress“ abliest? Lustig auch, dass Scrupeda dieser Bitte nachkommt, da ich nicht glaube, dass z.B. Justus Wertmüllers Vortrag in dieser Form jemals schriftlich erscheinen wird.

Ein allgemeiner Punkt, der mich stört: ein immer größeres Verfangen und Gefangensein in einem „We are all romans“ im Denken und selbst in diesem der Ausschluss von Schopenhauer, Nietzsche, Bergson, Simmel, Freud, Kierkegaard, Dilthey, materieller Gehirnforschung usw. und ein Versteifen auf Adornos Materialismus. Zu dem auch der Ausschluss philosophischer Systeme fernab der westeuropäischen Platon-Kant/Hegel-Adorno-Achse. Wer hat eigentlich damit angefangen, dass ausschließlich nur die westeuropäische, bürgerliche Philosophie die Lösung der Probleme auf der Welt ist?

Keine Ahnung, könnte jetzt noch tausend Sachen schreiben.

Dahlmann hält es mit Adornos Skepsis vor dem Allgemeinen „Glück kann nur in der Vereinzelung liegen, im völligen Rückzug aus der Gesellschaft.“ (Gerhard P. Knapp, Theodor W. Adorno, Colloquium Verlag Berlin 1980); ich finde aber Menschen um mich herum doch sehr knorke und brauche diese für mein Glück.

„Antideutsch“ ist schon so ein kleines Häufchen identitärer Myspacegirls, Tocotronic Fääääns und Neilperryjungs geworden – ausgehend vom Publikum –, bei dem der Inhalt UND die Form und auch die „Rettung des Individuums“ (hihihihi) zurücktreten muss (bezeichned hier auch die Verständnisprobleme bei den Vorträgen oder gar redundante Beiträge/Fragen seitens des Publikums). Aber mit so manchem Protagonisten bin ich schon down (Nachtmann, Scheit) und mansch muss ja bei all der Kritik und den „Personalproblemen“ nicht gleich Oi! Punk (= http://www.fdog-berlin.de/ ) werden.

Ansonsten nette Gespräche belauscht: „also ich bin nicht mehr vegan, weil immer wenn ich Lust auf etwas hatte, habe ich mich gezwungen, dieser Lust nicht nachzukommen“ (wahrscheinlich meinte der Sinistra Leser im Norweger Pulli und den Rastazöpfen damit „Lustfeindlichkeit“? Frage mich nur warum der vor seinen linksidentären Äußerlichkeiten (in meinen Augen auch eine Lustfeindlichkeit) dann Halt gemacht hat) oder mein absoluter Lieblingskracher: „meinte der Dahlmann jetzt damit, dass wir uns nicht mehr in Kollektiven treffen dürfen, um Israelfahnen zu zeigen?“

[Sorry, habe den PxF Usernamen vergessen] hatte ein passendes Schlusswort: Irgendwie scheint es so, als ob Wertmüller jetzt die nächsten 2 Jahre vorgibt, wie es weitergeht und fürs Publikum wars das. (Sorry, falls nicht genau zitiert)

einsteinjahr und vereinnahmung

schon bei der wahl der „größten deutschen“ wurde einstein zu etwas gemacht, was er nie sein wollte: zum deutschen. bei seinem tod war er, zur erinnerung, us-bürger, israeli und schweizer. deutscher war er nur während seiner kindheit und dann wieder zwangsweise als professor in berlin. im „einsteinjahr“ 2005 (50. Todestag/100 Jahre spezielle Relativitätstheorie) wurde diese vereinnahmung eines frühen antideutschen jedoch auf die spitze getrieben: einsteinsprüche überall in berlin, z.b. am kanzleramt. ich habe gerade eine sehr empfehlenswerte einstein biographie gelesen und muss sagen, dass es schon ein kunststück ist, die realität so zu verzerren, dass man einstein als identifikationsfigur des „guten deutschlands“ präsentieren kann.
sein antideutschtum reichte weit vor den ersten weltkrieg zurück und, anders als adorno, horkheimer und co, war er nicht gewillt den deutschen eine neue chance zu geben.

aufrechte antiimperialisten

schon seit längerer zeit gehören die seiten der aik aus wien zu meinen lieblings surfzielen.
besonders die online abrufbaren artikel ihrer „palästina“ zeitschrift „intifada“ haben es mir dabei angetan. wohlwollende interviews mit hamas, islamischem djihad und den al-aksa märtyrerbrigaden, berichte von der front im antizionistischen „befreiungskampf“ und allerhand anderer unsinn findet sich dort. die interviews mit den „linken“ gruppen wie z. B. der pflp sind sogar lohnende lektüre, zumindest wenn man immer noch auf einen beweis für die zusammenarbeit von pflp und hamas gewartet hat, den liefern sie nämlich höchstselbst in jenem interview.
in der aktuellen intifada gibt es nun ein review des antisemitischen machwerks „blumen aus galiläa“ von israel shamir. die rezensentin erkennt sogar den antisemitismus, vom verlag israel shamirs möchten sich sie und die redaktion der „intifada“ natürlich nicht distanzieren:

Anmerkung der Redaktion und der Autorin:

Nach Veröffentlichung der deutschsprachigen Ausgabe von Shamirs Buch im Promedia-Verlag vor einigen Monaten gab es in den einschlägigen Medien eine teils heftige Diskussion über die Frage, ob das Buch und sein Autor antisemitisch seien oder nicht. Dabei wurde auch der Verlag selbst Zielscheibe solcher Anschuldigungen. Die Redaktion der Intifada, in der auch die Autorin der obigen Rezension mitarbeitet, weist diese Anschuldigungen an den Verlag entschieden zurück.
Eine offene Diskussion über die Inhalte von Shamirs Buch hat nichts damit zu tun, einen bewährt kritischen Verlag, der in der Tradition der linken, antifaschistischen und antirassistischen Bewegung steht, mit dem Vorwurf des Antisemitismus zu verleumden. Die Redaktion und die Autorin der Rezension distanzieren sich entschieden von einer derartigen Vorgangsweise.

ähnlich ging die selbstverständlich nicht antisemitische AIK auch schon im fall des holocaustleugners und jordanischen professors alloush, vor:

Da die Diskussionen nicht abrissen, sah sich die AIK zu einer weiteren politischen Stellungnahme veranlasst. Darin distanzieren wir uns abermals ausdrücklich von jedem Geschichtsrevisionismus, bestätigen hingegen die Verteidigung der arabischen Bewegung gegen den Irak-Krieg ungeachtet darin vertretener von uns nicht geteilter oder bekämpfter Auffassungen. Explizit wurde als Beispiel die gegen den Imperialismus kämpfende islamische Bewegung genannt. Insofern Alloush sich gegen den Irak-Krieg wandte, verteidigten wir ihn gegen die Repression, insofern er hingegen geschichtsrevisionistische Auffassungen verbreitete, wandten wir uns gegen ihn.

Dann folgt eine politische Erklärung, warum Antisemitismus und Geschichtsrevisionismus in unterschiedlichen historischen Kontexten eine unterschiedliche Gefahr darstellen, ungeachtet der Tatsache dass sie kontextunabhängig abzulehnen sind. Kurz gesagt diente der europäische Antisemitismus der imperialistischen Bourgeoisie im Kampf gegen die revolutionäre Abeiterklasse, während heute in der arabisch-islamischen Welt übernommene europäische antisemitische Ideologeme zu bekämpfende Verirrungen sind, die aber am grundsätzlich fortschrittlich-emanzipativen Charakter der arabischen Bewegung gegen Imperialismus und Zionismus nichts ändern.

Wir fordern den Bundesvorstand der KPÖ hiermit auf, die Redaktion des „Argument“ die in der Nr. 8, August 2003, dieser Zeitschrift auf S. 6 in der „redaktionellen Anmerkung zu einer aktuellen Auseinandersetzung“ gemachte Behauptung, dass die AIK die geschichtsrevisionistischen Auffassungen Herrn Alloushs verbreite, umgehend in einer redaktionellen Entgegnung zurückzunehmen.

Sollte die KPÖ unserer Forderung nicht entsprechen, behalten wir uns rechtliche Schritte vor.

Wilhelm Langthaler
Für die Antiimperialistische Koordination (AIK)
11. September 2003

wer jetzt einwirft, dass die aik und ihre deutschen ableger, wie initiativ e.v./antifakomitee duisburg, in der „linken“ doch total isoliert seien, dem sei entgegnet, dass dies zu glück größtenteils stimmt, es jedoch jüngst veranstaltungen der aik z.b. in münster gab und auch der vorfall in köln 24.09. diesen jahres nicht vergessen werden sollte.

in love

es könnte gesagt werden, sie seien die avril lavigne version für erwachsene, vielleicht sogar zu recht, mir egal. tegan and sara sind super und bei genauerer betrachtung eint sie mit avril lavigne ausser der kanadischen staatsbürgerschaft nun doch nicht so nicht viel. tegan und sara machen um lichtjahre bessere musik und sind eh viel cooler. mein herz haben sie auf jedenfall erobert. der soundtrack zum herbst.

silvio meier demo

bei blog.zusammenfassung.de.vu gibts einen treffenden bericht zur diesjährigen silvio meier demo. würde man „silvio meier“ streichen und durch xyz-demo ersetzen dürfte dieser bericht auf nahezu jeden aufzug zutreffen, der von der alb fraktion der deutschen linken veranstaltet wird. bei mir löst der anblick solcher demonstrationen generell fremdschämen aus, bin wohl emotional noch zu nah an meiner vergangenheit als popantifa dran…

Schicksalstag…

ausgerechnet am 9. november, dem „deutschen schicksalstag“ ist der seit 1945 unbehelligt in göttingen lebende ss-mann hans friedrich gestorben. damit kann die göttinger staatsanwaltschaft ihre nichtermittlungen „endlich“ ganz offiziell einstellen.
bekannt wurde friedrich, als er in einer art lebensbeichte ohne reue der bbc ein interview gab, in dem er von seiner beteiligung an massenerschiessungen in der ukraine erzählt und seinen noch immerwährenden antisemitismus „begründet“.
bei indymedia gibts einen bericht über sein ableben und bei der göttinger antifagruppe aktion&kritik den hintergrund des ganzen.

Warum der Gegenstandpunkt nichts anderes als eine deutsche Kameradschaft ist

die [aae] marburg (Association AntiallemandE, ehemals Autonom Antifaschistische Emanzipation) hat auf ihrer homepage ihr flugblatt gegen die veranstaltung „der gaza-streifen als ghetto, freie wahlen und drohender bürgerkrieg“ des gegenstandpunkt in marburg am 10.11.2005 veröffentlicht. ein typischer [aae] text und auch wenn die bezeichnung kameradschaft für den gegenstandpunkt sicherlich übertrieben ist, trift das geschriebene ansonsten doch zu.

ich hatte 2001 mal das vergnügen gegenstandpunkt-/mgler zum israel/“palästina“ konflikt referieren zu hören. eine absurde veranstaltung, nicht nur, dass sich gestandene mg jünger wie grundschulkinder meldeten und redeten und danach von den lehrern, äh referenten, mit lob bedacht wurden wenn sie richtig nachgeplappert hatten. einer der referenten machte auch gleich deutlich warum er kommunist ist, weil „im kommunismus gibt es keine juden mehr“. kontrovers wurde diese sektenveranstaltung allerdings nur weil in der kritik des bürgerlichen staates geschulte antideutsche anwesend waren. die meiste zeit schienen antideutsche und sektenheinis allerdings verschiedene sprachen zu sprechen, bzw. die referenten konnten mit abweichenden meinungen nur schlecht umgehen. jegliche restsympathie mit mg und co war bei mir nach dieser veranstaltung verflogen.

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Nachtrag: den link zur [aae] hab ich mal gelöscht, statt der korrekten postantifa findet sich dort jetzt eine pornoseite.

(anti)deutsche konferenz

von der bahamas konferenz gibt es interessante berichte bei classless und scrupeda .

schon schade wie eine einst so spannende und aufregende strömung der linken immer mehr der regression anheim fällt. schlimm auch, dass leute wie lenhard oder pünjer, die noch vor vier jahren bestenfalls als pausenclowns in erscheinung traten, heute auf podien sitzen und referieren dürfen.