play the game – download the fight.

die veranstaltung von souslaplage in der roten flora in hamburg gestern abend wurde auch vom freien sender kombinat (fsk) in hamburg live übertragen. netterweise wurden mitschnitte der live-sendung jetzt auf freie radios zum download (als ogg-files) in sechs teilen ([teil1]|[teil2]|[teil3]|[teil4]|[teil5]|[teil6]) zur verfügung gestellt. mir erspart das einen ausführlicheren bericht, da ihr es euch ja auch selbst anhören könnt.

was mir noch auffällt beim nochmaligen anhören der veranstaltung ist das doch häufige gerede vom „kollektiven erleben“, welches als positiver effekt linker praxis dargestellt wird. ich dachte bislang immer, bei linker praxis ginge es darum der kapitalistischen totalität ein ende zu bereiten und nicht um selbsterfahrungs-esoterik. vielleicht ist es aber eine art neue ehrlichkeit (mit sich selbst), angesichts des zu erwartenden medialen untergangs der linksradikalen anti-g8-proteste rechtfertigen die aktivist_innen ihr engagement von vornherein mit der positiven, stärkenden wirkung nach innen, mit der wohligen wärme die das „kollektive erleben“ den demonstrant_innen liefern wird. anti-g8 proteste als linke psychotherapie.
auch immer wieder interessant, dass auch gestern nur als politische praxis galt, was mit demonstrationen, aktionen und blockaden zu tun hat. die „praxis“fetischisten vergessen, dass auch flugblätter schreiben und verteilen, veranstaltungen organisieren oder mit menschen diskutieren praxis ist, die zur „wirkliche[n] Bewegung, welche den jetzigen Zustand aufhebt“ (marx), also zum kommunismus führen kann.

11 Kommentare »


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  1. so auch mal angehört…
    dein kommentar zum erleben macht m.e. keinen sinn.
    was du unter kollektives erleben fasst, also subjektivitätsverschiebungen durch das erleben ist nicht einfach als esoterik abzutun, es ist doch unbestreitbar, dass durch erleben sich sichtweisen verschieben, das kann man poststrukturalistisch, marxistisch oder psychologisch fassen richtig vereint die strömungen, dass es diesen effekt gibt. wenn totalität insofern gedacht wird, dass es soetwas nicht ehr gibt, sollte man sich von jedweder veränderung verabschieden, oder seinen begriff von totalität revidieren, da dieser m.e. falsch ist.
    antikapitalistische praxis hat das ziel der totalität des kapitalismus ein ende zu bereiten, richtig, nicht aber tut sie das unmittelbar, auch das ist richtig.
    recht hast du natürlich damit, dass auch angewandte theorie, um es mal so zu nennen, praxis ist… falsch ist allerdings das dieses zum kommunismus führt, genauso falsch ist es das „praktische praxis“ zum kommunismus führt, es bedingt sich beides. ohne eine bewegung wird es keinen kommunismus geben, ohne eine theoretisch fundierte kritik der verhältnisse widerrum gibt es keine kommunistische bewegung, nur aber durch die kritik entsteht diese bewegung eben auch nicht… hier ist platz für die dialektikleuchte.
    da gab es ja auch das recht schöne zitat aus berlin oder göttingen k.a. mit dem die waffe der kritik ersetzt die kritik der waffen nicht… auch wenn es sicher nicht aus einem der besten marxwerke stammt (kritik der hegelschen rechtsphilosophie)

    Comment von blubb — 10. April 2007 @ 22:06

  2. […] Kleiner Hinweis für diejenigen, die sich für die Bandbreite inhaltlicher Argumentation zu den G8-Protesten interessieren, die es in linksradikalen Zusammenschlüssen. Subwave hat einen Radiomitschnitt zu dem Thema verlinkt. Schon beim ersten Hören fallen einem jede Menge Fehler auf. Trotzdem soll hier drauf hingewiesen sein, weil das Zeug mal ziemlich kompakt zu haben und so quasi für den marxistischen Kritiker als 5-Gänge Menu serviert ist. […]

    Pingback von Keine Werbung (I) | Das geprüfte Argument — 10. April 2007 @ 22:59

  3. Die Bewegungslinken insistieren zurecht auf einer Bewegung, jedoch wollen sie nichts von den Bedingungen dieser Bewegung wissen, vielmehr ist ihnen Bewegung um der Bewegung willen schon genug. Dem ist nicht nur entgegenzuhalten: Auch der Nationalsozialismus verstand sich als Bewegung. Sondern: dem liegen unterwürfige, demütige Verhaltensmuster zugrunde: man müsse ja immer dort sein, wo die Massen seien, denkt es in diesen Linken. Also immer hinterhecheln, immer mit dem Mainstream, immer im Gleichschritt und vielleicht mal eine Grätsche wagen, aber ja nie ausscheren, sich der Bewegung, die in die falsche Richtung läuft, entgegenstellen. Und andererseits wissen die selben Linken aus ihren Erfahrungen ja doch, dass die Mehrheit die Revolution nicht will, nicht einmal ansatzweise, schließlich werden die Demonstrationen von solchen Gruppen wie Avanti ja in der Regel von maximal 1 Promille der Bevölkerung besucht. Daraus zieht man aber nicht die Lehre, dass sich die restlichen 99,9% erst mal verändern müssten oder verändert werden müssten, bevor mit ihnen Bündnisse zu schließen sind, sondern sie sollen, da man ihnen insgeheim nicht traut, nur als Resonanzboden instrumentalisiert werden oder als „Massen mitgenommen“ werden, wie der Kieler NoG8-Delegierte formulierte. Anstatt die Menschen auf passive Mitbringsel zu reduzieren, sollte man sie jedoch ernst nehmen in ihrem Verhalten und ihrer Ideologie. Das ist oft niederschmetternd, aber nur so bietet sich die Möglichkeit, dass sie eines Tages ihre Ketten freiwillig – und nicht, weil sie von einem Linken „mitgenommen“ wurden – abwerfen.

    Comment von Meerwert — 10. April 2007 @ 23:28

  4. Hoch, Justin Monday war auch da (nach dem Umverteilungsfuzzi).
    Wusst ich doch, dass ich die Stimme kannte.

    Comment von soft-brain — 11. April 2007 @ 10:23

  5. Witzischkeit kennt keine Grenzen. Der beste Kommentar von dem Gruppe 8. Mai Vertreter: „Eine brennende Barrikade muss interpretiert werden“. Gefolgt von dem No G8 Kiel Kommentar, sinngemäß, bei den Attacis ist mir noch kein Antisemit begegnet. War sehr unterhaltsamer abend im hohen Norden.

    Comment von Marxen — 11. April 2007 @ 10:49

  6. Ich find´s eher lustig, dass der Typ von TOP Berlin quasi in einem Satz (sinngemäß) sagt: Wir gehen mit einer klaren politischen Aussage in die Proteste, aber manchmal sagt eine brennende Barrikade mehr als tausend Worte.
    Sehr überzeugend!

    Comment von rocko — 11. April 2007 @ 13:19

  7. Bei dieser Aussage liegt zu Grunde, dass der Protest als radikaler, nicht zu vereinnahmender Protest wahrgenommen werden soll. Das Bild der Barrikade steht dabei für die unversöhnliche symbolische Negation von Kapitalismus. Bei einem solchen Protest, wie in Heiligendamm muss folglich, die zu vermittelnde Kritik, im Vorfeld laufen. Während eines solchen Protests gilt es, das zu vermitteln, was von der Totalität des Kapitalismus gehalten wird und dies kann sich vor Ort nur in dem Akt der Destruktion äußern. Am Zaun zu rütteln, wenn die Damen und Herren denn da auch wirklich hinkommen, darum geht es dabei nicht.

    Comment von @rocko — 11. April 2007 @ 14:46

  8. Tja, @rocko, Schön und Gut, nur:
    Wieso sollte das Anbrennen von Mülltonnen von Leuten, die keine Ahnung von Kommunismus haben, nennen wir sie Angela Merkel, Polizeikommissar XY, Journalistin AB oder Bürgerin LM, als unversöhnlich und Akt der Negation gesehen werden? Woher sollen die wissen, wie das gemeint ist? Hinterlasst ihr ein Bekennerschreiben zu jeder Barri, und wenn ja: lesen die das? Das wäre die logische Ebene. Man könnte auch auf der empirischen Ebene argumentieren: Barris zünden alle möglichen Menschen an: Pyromanen, Rechtsradikale (vgl. Seattle, Genua), Palästina- und Fussballfans. Wie unterscheidet sich deine Barrikade von einer, die aus völlig falschen Gründen angezündet wird? Liegt es nicht näher, um vieles näher sogar, den Mülleimer nach seinem Verglühen als Protest gegen Neoliberalismus, Freihandel, Kulturzerstörung oder Kommerz zu verstehen – zumindest in den Massenmedien – als gegen Herrschaft, Ausbeutung, Nationalstaat?

    Comment von Meerwert — 11. April 2007 @ 21:59

  9. Hättest du noch ein paar Worte mehr dazu verloren, hätte ich meine Zeit vielleicht nicht mit dieser zwar ein wenig unterhaltsamen, aber ansonsten vollkommen pointless Debatte verschwendet…

    Comment von qwerty — 13. April 2007 @ 10:18

  10. @qwerty: in meinem beitrag game the player habe ich doch ausdrücklich geschrieben, dass eine gewinnbringende diskussion nicht zustande kam.

    Comment von Administrator — 13. April 2007 @ 11:37

  11. dann bin ich wohl selbst schuld ;-)

    Comment von qwerty — 16. April 2007 @ 11:33

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