idiot des tages. heute: helden karl.

helden karl, vulgär-gspler und comment-spammer, bei dorfdisco:

Das liegt bekanntlich nicht am Wollen, sondern ist durch Chromosomenpaare bestimmt. So weit ich weiss, gibt es keine andere Chromosomenkonstellation als XX ODER XY.

tja, einfach mal ein biobuch für die gymnasiale oberstufe aufschlagen oder bei wikipedia nachschauen. hätte ich selbst von helden karl nicht erwartet, dass er mit seinem antifeminismus noch hinter die biologie zurückfällt…

meisnerdeutsch dictionary.

dem armen kardinal meisner wird ganz schlimm unrecht getan, dabei hat er nur ein sprachproblem. die titanic klärt auf:

Immer wieder bekommt der Kölner Kardinal Joachim Meisner Ärger: Er sagte, Probleme wie Terrorismus und Homosexualität müßte man „ausschwitzen“, wollte aber nur die europäische Werteordnung erhalten; sagte, daß das neue Domfenster auch in einer Moschee hängen könnte und meinte damit, er fände es beliebig; nun sprach er von „entarteter Kultur“ und hatte „nur ganz schlicht sagen wollen, daß wenn man Kunst und Kultur auseinanderbringt, dann leidet beides Schaden“. So viele Mißverständnisse! Zur Abhilfe hier eine kurze Einführung in Meisners Sprachgebrauch:

„Danke, es war mir wie stets ein innerer Reichsparteitag.“ Gemeint: „Ja, ich hatte auch dieses Jahr wieder ein gesegnetes Weihnachtsfest.“
„Das machen wir Shoah.“ Gemeint: „Wir bekommen das hin.“
„Kinder sollten bis zur Vergasung beten.“ Gemeint: „Schon vor der ersten Kommunion sollte jungen Gläubigen klargemacht werden, daß das Gebet den zentralen Moment in der Gottesverehrung darstellt.“
„Da haben Sie mir aber ganz schön den Brunnen vergiftet, was?“ Gemeint: „Der Kaffee ist Ihnen aber diesmal nicht so gut gelungen, liebe Haushälterin.“
„Wir brauchen mehr Raum im Osten.“ Gemeint: „Ein Anbau wäre hier dringend fällig.“
„Kommen wir jetzt zur Endlösung.“ Gemeint: „Laßt uns das Schlußgebet sprechen.“

loveparade für den sozialstaat.

als solche bezeichnen die „freundinnen und freunde der klassenlosen gesellschaft“ (fdkg) die euromayday-paraden. will man diese paraden nicht nur anhand von kleineren formfehlern (nicht-distanzierung von der antisemitischen palästina-solidarität 2007 in hamburg oder dem positiven bezug auf europa) kritisieren, sondern das konzept „euromayday“ an seinem ideal, dann kann eine lektüre des textes der fdkg, von dem hier die einleitung geposted sei, sicherlich nicht schaden:

„Euromayday” heißt der jüngste Anlauf, einem bedeutungslos gewordenen Datum frisches Leben einzuhauchen, sich in eine Geschichte einzuschreiben, mit der bereits die Schalmeienkapellen der K-Gruppen und die Randale der Autonomen nichts zu tun hatten. Die klirrenden Schaufenster und flambierten Autos des Kreuzberger 1. Mai waren als Ausdruck von Zorn so sympathisch, wie sie auf der Stelle lächerlich erschienen, sobald sie zum revolutionären Kampf aufgeblasen wurden.

Der Euromayday tauscht den Mythos des Straßenkampfs gegen den Zeitgeist der guten Laune ein und die revolutionäre Phrase gegen die reformistische. Die bunte Party, als die er sich ankündigt, findet aber nicht nur erfahrungsgemäß um so weniger statt, je krampfhafter man sie plant, sondern wird von vornherein zur „politischen Parade” verhunzt. Bloß den öffentlichen Raum mit einigen Soundsystems in Beschlag zu nehmen, was in heißen Berliner Sommern ja des öfteren passiert, reicht dem linken Aktivismus nicht, und so müssen die DJs die Begleitmusik für das Programm der Steuerexperten von Attac liefern.

eine auseinandersetzung mit der, gerade mal wieder modernen, post-operaistischen theorie, die auch die grundlage für das euromayday-gedöns bildet, liefert auch kerstin stakemeier in ihrem artikel „all that is solid melts into air – thesen zu fragen des prekären lebens“, erschienen in der phase 2.22.

oops… i did it again. heute: kardinal meisner.

der kölner kardinal meisner ist für sein ganz spezielles verhältnis zum deutschen nationalsozialismus, seiner terminologie und seiner verbrechen bekannt – so vergleicht er schon mal abtreibungen mit dem holocaust oder macht wortwitze mit auschwitz. seit gerhard richter, sehr zum missfallen meisners, damit begonnen hat den kölner dom langsam aber sicher zu muselmanisieren, in dem er statt der üblichen bildlichen fensterscheiben gestaltung ein abstraktes motiv wählte, beschäftigt sich der umtriebige kardinal anscheinend mit kunst. und wie es sich für herrn meisner gehört findet er auch zu diesem themenkomplex zielsicher die richtigen worte:

„Dort, wo die Kultur vom Kultus, von der Gottesverehrung abgekoppelt wird, erstarrt der Kult im Ritualismus und die Kultur entartet.“

(source.)

links #2

beim lutschen des brühwürfels – klaus bittermann gratuliert günter grass in der jungle world vorzeitig zum 80. geburtstag.

wahnsinnsfreundschaft – horst mahler schreibt einen liebesbrief an den iranischen präsidenten.

was nicht passt wird passend gemacht – waiting über die deutsche realitätswahrnehmung und die bedienung dieser durch das zdf.

„Die Verbrecherrate war nicht so hoch wie jetzt.“ deutschland sucht den super nazivergleich – was eva herman kann können BILD-leser_innen schon lange.

ungefähr 88 gesichter des grauens. freundlicherweise von der antifaschistischen gruppe südthüringen bei indymedia geposted. warnung: nicht anschauen wenn die einnahme von nahrungsmitteln geplant ist.

antizionistische internationale: „N. Korea condemns Israeli ‚provocation‘“, womit der israelische luftschlag gegen ziele in syrien gemeint ist und hilft gleichzeitig syrien beim bau von nuklearanlagen. ob da ‚condemned‘ wird weil der luftschlag eben gegen diese nuklearanlagen, powered by north korea, ging?

mit antisemiten gegen antisemitismus?

zwei berichte von der „sommeruniversität gegen antisemitismus“ in berlin:

Vom 10-12.9.2007 fand an der TU Berlin die Sommeruniversität gegen Antisemitismus statt. Diese wurde bereits zum zweiten Mal vom an der TU beheimateten Zentrum für Antisemitismusforschung (ZfA) veranstaltet.
Teilnehmende AntifaschistInnen staunten nicht schlecht, als sie STEFAN LUX, den ehemaligen »Leiter des Amtes: Schulung« im Bundesvorstand der NPD im Publikum entdeckten.
Zu Beginn der Sommeruni am Montag, 10.09.2007 wurde der rechtsextreme Historiker und Fachmann für das »Verhalten gegenüber Polizei und Justiz« aus Wuppertal recht schnell enttarnt, verbal geoutet und durch antifaschistisch eingestellte Sommeruni – TeilnehmerInnen des Saales verwiesen.
Am darauffolgenden Dienstag, 11.09.2007 erschien er jedoch in Begleitung von drei bekannten Pankower Schlägernazis. Die MitarbeiterInnen des veranstaltenden ZfA stellten sich nun jedoch gegen eine antifaschistische Räumung und verwiesen lediglich die Wachhunde nach draussen. Schon hier wurde deutlich, dass eher Menschen mit antifaschistischer Einstellung als Problem und Störfaktor angesehen wurden. So konnte Stefan Lux zwar dauerhaft bepöbelt, jedoch ansonsten ungestört den Vorträgen lauschen.
Zum erneuten Eklat kam es am Mittwoch, 12.09.2007: Erneut erschien Stefan Lux, diesmal in Begleitung des reichlich verkaterten Jan Sturm, Bezirksverordneter der NPD in Berlin Neukölln und Wolfgang „Wolle“ Petri – Imitator.
Antifaschistisch eingestellte Sommer-Uni – TeilnehmerInnen und anwesende AntifaschistInnen forderten nun, dass das ZfA von seinem Hausrecht Gebrauch machen sollte und die widerlichen Neonazis entfernen lassen sollte. Dem wurde jedoch nicht nachgekommen.
Wieder wurde nur die Begleitung des Saales verwiesen, Stefan Lux jedoch konnte bleiben, da er ja „bezahlt hätte“, die „NPD eine legale Partei“ sei und „er ja nicht stören würde“. Darüber hinaus wurden die erhitzt diskutierenden AntifaschistInnen als „Störenfriede“ gebrandmarkt und mit dem Rausschmiss durch den Securitas – Sicherheitsdienst bedroht.

(source.)

und

Es ist in Frage zu stellen, ob ein führender Kader der NPD und Demokratiefeind wie Lux überhaupt Teil eines demokratischen Diskurses sein kann und sollte. Aus der theoretischen Ausrichtung der Sommeruniversität hätten auch praktische Konsequenzen gezogen werden müssen.

(source.)

ist die tatsache, dass diese konsequenzen nicht gezogen wurden nun zufall oder vielmehr ein, obschon variierter, ausdruck des „elend[s] der akademischen antisemitismusforschung“?

wie sich die bilder gleichen.

der verlag campus bewies enormes geschick bei der covergestaltung der von ihm verlegten deutschen ausgabe des buches „the israel lobby“ von john j. mearsheimer und stephen walt und bestätigt, sicher unfreiwillig (oder doch ganz einfach zielgruppengerecht? der werbezettel des campus verlages nimmt auch kaum ein blatt vor den mund), die kritiker_innen, die dem buch und seinen autoren antisemitismus vorwerfen. so reicht jetzt ein blick auf das cover-bild um das buch da einzuordnen wo es hingehört: zur antisemitischen propaganda.

cover der deutschen ausgabe:

israel-lobby

nazi-propaganda von johann von leers:

nazi-dreck
(bilder via hurryupharry)

zur illustren biographie von „hitler’s number one anti-semite“ (source.) schreibt das blog „instant coffee“:

Genauso wenig zufällig ist, wie von Leers’ Karriere weiterging, nachdem sein geliebtes Drittes Reich kapitulieren musste. Ab 1955 lebte er in Ägypten und arbeitete für das ägyptische Informationsministerium – unter anderem gab er eine arabische Ausgabe der Protokolle der Weisen von Zion heraus. Mustafa Ben Ali, so einer der Namen von Leers’ nach seiner Konversion zum Islam, wurde ein enger Freund des ebenfalls von Deutschland nach Ägypten geflüchteten Haj Amin al-Husseini. Mit dem ehemaligen Mufti von Jerusalem zusammen setzte er ungebrochen seinen Kampf gegen die Juden fort, die als Konsequenz der antisemitischen Verfolgung einen eigenen Staat gegründet hatten.

edit: im newyorker findet sich ein review von „the israel lobby“, in welchem der autor zu einem interessanten und meiner meinung nach zutreffendem schluss kommt:

But that is clearly not the source of the hysteria surrounding their arguments. “The Israel Lobby” is a phenomenon of its moment. The duplicitous and manipulative arguments for invading Iraq put forward by the Bush Administration, the general inability of the press to upend those duplicities, the triumphalist illusions, the miserable performance of the military strategists, the arrogance of the Pentagon, the stifling of dissent within the military and the government, the moral disaster of Abu Ghraib and Guantánamo, the rise of an intractable civil war, and now an incapacity to deal with the singular winner of the war, Iran—all of this has left Americans furious and demanding explanations. Mearsheimer and Walt provide one: the Israel lobby. In this respect, their account is not so much a diagnosis of our polarized era as a symptom of it.

die israel-lobby und somit israel als scapegoat des versagens der us-politik. dies ist nicht notwendig antisemitisch, trägt aber antisemitisches potential in sich und wird auch schon freudig als solches rezipiert. gefährlich wird es dann, wenn dem mob die niederlage im mittleren osten bewusst wird und ein schuldiger gesucht wird und gefunden werden muss. mearsheimer und walt haben „die israel lobby“ als solchen schonmal präpariert.

the end of summer.

end of summer

beschweren darf ich mich ja eigentlich nicht, mein sommer war schon im mai. konzentriert in einem monat mehr sonne als üblicherweise in drei jahren. trotzdem ist es für die melancholie, die der beginnende herbst so mit sich bringt, eigentlich noch zu früh. zu früh auch die kälte, die wie ein vorgriff auf den winter scheint. abhilfe schaffen könnte da der „end of summer-mix“ von holy ghost!, die gerade neu bei dfa sind und den entsprechenden sound auch in ihren mix einfließen lassen. funkiger dance-punk der jeglichen herbstlichen schwermut vertreibt und das gefühl eines schönen sommerabends am strand vermittelt. (via big stereo)



holy ghost! – end of summer boogie mix

tracklist:

(0:00:00) martin circus – disco circus – ballroom
(0:06:40) trusme – tony does what tony wants – ?
(0:11:55) neighbourhood romeo – laura winslow – homebreakin
(0:16:24) runaway – ‘aint afraid to beg – wurst
(0:22:57) barfly – street talk – rong
(0:27:49) home video – penguin (loving hand remix) – defend music
(0:35:06) elitechnique – fingerfood (major swellings skinkerytter miks) – clone
(0:41:11) lee douglas – new york story – rong
(0:48:52) drrty haze – drrty haze groove – tirk
(0:51:06) talking heads – i zimbra (peter black remix) – ?
(0:56:22) !!! – hello? is this thing on? (thomas and eric’s rub n’ tug throwdown) – touch & go
(1:00:54) captain – frontline (dfa remix) – ?
(1:06:01) jamie anderson – time is now – nrk
(1:09:07) especial – reverso 68 – eskimo

photo by ccgd.

making disco a threat again.

disco!

Weder überzeugt von Verelendungstheorien “kommunistischer” Klein- oder Kleinstgruppen, noch von den hippiesk-philantropischen Ideologieversatzstücken einer Hedonistischen Internationalen, versuchen wir Partys und Veranstaltungen zu organisieren, die in einem emanzipatorischen Kontext stehen. Dabei ist es uns wichtig, nicht einen subkulturellen Gestus zu bedienen und damit einem regressiven Bedürfnis nach Authentizität Vorschub zu leisten, sondern stattdessen eine Gegenhegemonie mitzuerstellen, welche sich selbst und die Verhältnisse immer wieder aufs Neue reflektiert.

aus der selbstdarstellung einer (neugegründeten ?) diskogruppe die, würde ich mal schätzen, örtlich dem rhein-main-gebiet zugeordnet werden kann. bleibt zu hoffen, dass sich die selbst gesetzten ansprüche zumindest zum teil erfüllen lassen. etwas grundsätzliches schreiben sie auch. recommended reading, finden sich dort doch einige schlaue reflexionen, u.a. zum paradox von „freiraum“ und falschem ganzen.

Jede antikapitalistische Praxis muss zwangsläufig hinter dem Theoretischen zurückbleiben, da sie den bestehenden Verhältnisse verhaftet ist. Das abstrakte Ganze lässt sich unmöglich auf einzelne Symbole reduzieren. Dennoch ist nicht automatisch jede politische Handlung abzulehnen. Denn wenn auch einzelne
Aktionen nicht den Gesamtzusammenhang darstellen können, so besteht wenigstens die Möglichkeit, durch die Praxis Prozesse anzustoßen und Diskurse in den Fokus zu rücken, somit also als Wegbereiter für eine theoretische Weiterentwicklung zu dienen. So können auch Freiräume praktisch eine Ahnung von dem ermöglichen, was eine emanzipatorische Gesellschaft der Bestehenden vorraus hat: ein Ende der Gewalt.

edit: photo by ptgreg

recommended listening: frankmusik.

frankmusik, immer wieder frankmusik. erst vor drei tagen bei missingtoof entdeckt und schon gefühlte 1000 mal gehört. schönster nu-rave electropop mit leichten c64-sound anleihen, der sich weit von der beliebigkeit des derzeitigen hypes abhebt. seine erste ep „frankisum“ veröffentlichte frankmusik im frühjahr 2007. von dieser ist das fantastische, euphorisierende und in den letzten 72 h nahezu ständig on repeat gehörte „made her smile“, das ich euch nicht vorenthalten möchte:

bei missingtoof gibt es dazu noch das ganz neue waste of time und einen remix des dead disco tracks „you´re out“ von frankmusik. bei big stereo findet sich die mp3 von „confusion girl“ und die ankündigung, dass ein full-lenght von frankmusik in arbeit ist. ein kurzes interview, sowie das fantastische „3 little words“, auf das mich freundlicherweise streifenstyle aufmerksam machte, findet sich bei discodust. kaufen könnt ihr die erste ep von frankmusik u.a. bei itunes. bei youtube findet sich ein von frankmusik erstelltes video von „when you´re around“ (via big stereo):