indy-content: die leute da abholen wo sie stehen…

agitationsmasse?
…auch wenn sich bei den abzuholenden um faschist_innen handelt:

Ein heikles Thema. Inhaltlich bin ich auf deiner Seite. Allerdings würden wir nach solchen Aktionen nicht mehr in der Lage sein, die kreuzberger türkischen Jugendlichen auf unsere Seiten zu ziehen. Bis jetzt trifft man ja schon öfters auf Sympathie bei vielen türkischstämmigen Jugendlichen (nicht nur beim 1. Mai^^; auch inhaltlich kann mensch punkten) und erweitert vielleicht sogar den politischen Horizont von ihnen. Allerdings ist auch klar zu sagen, dass Viele natürlich (noch?) keineswegs „politisch links“ (egal in welche Richtung) einzuschätzen sind. Nationalismus ist extem weit verbreitet, warum wir bei vielen potenziellen Mitstreitern bei Aktionen (erst recht bei militanten) gegen die heutigen „Demonstranten für die Türkei“ unten durch wären.

ein „antifa aus kreuzberg“ auf indymedia als antwort auf diesen (noch idiotischeren) kommentar:

Heute konnte man schön an Türkeiflaggen in den Fenstern sehen, wo diese Nazis wohnen… Schade, daß es keine antifaschistische Gegenwehr gab.

.

absurd, da könnte ein antifa, aus sagen wir mal pirna, nach einer nazidemo mit anschließender hetzjagd ja auch folgendes von sich geben:

Ein heikles Thema. Inhaltlich bin ich auf deiner Seite. Allerdings würden wir nach solchen Aktionen nicht mehr in der Lage sein, unsere Dorf-Jugendlichen auf unsere Seiten zu ziehen. Bis jetzt trifft man ja schon öfters auf Sympathie bei vielen ortsansässigen Jugendlichen (nicht nur bei der Montagsdemo gegen fiese Heuschrecken ^^; auch inhaltlich kann mensch punkten) und erweitert vielleicht sogar den politischen Horizont von ihnen. Allerdings ist auch klar zu sagen, dass Viele natürlich (noch?) keineswegs „politisch links“ (egal in welche Richtung) einzuschätzen sind. Nationalismus ist extem weit verbreitet, warum wir bei vielen potenziellen Mitstreitern bei Aktionen (erst recht bei militanten) gegen die heutigen „Demonstranten für Deutschland“ unten durch wären

mehr zum nationalistischen exzess in berlin hier. grausam natürlich auch wieder diejenigen, die ihrem rassismus freien lauf lassen und „türkische“ faschisten abgeschoben haben wollen, ganz so, als wären die, die da demonstriert haben nicht hier sozialisiert worden, als wäre ihre existenz nicht ähnlich zu erklären, wie die der „deutschen“ nazis in marzahn , lichtenberg oder sonst wo.

soll die rote flora abgerissen werden?

fragt der reporter von „tventy“ (eine art youtube-verschnitt nur mit hh-content, powered by mopo). bewohner_innen und besucher_innen des schanzenviertels antworten:

dates 1007 – lights out!

lights out!

da hab ich schon die genoss_innen in göttingen beneidet, dass die grandiosen lights out! das kaff beehren, aber nicht die metropole, aber zum glück war der ganze neid umsonst, denn es gibt ja pink tank entertainment. diese sympathische konzertgruppe stoppt am sonntag, 28.10.2007, lights out auf ihrem weg von kiel nach göttingen, mit dabei noch „the youth“ aus portugal und „alert“ aus kiel. einziger wehrmutstropfen: das ganze findet in wilhelmsburg, genauer in der fährstraße 115 statt, also raus aus „hamburg“ und den „sprung über die elbe“ (stichwort: iba, hihi) wagen.

lights out!

recommended reading: aufstieg & fall des konzentrierten spektakels

oktoberrevolution
auf aufstieg & fall des konzentrierten spektakels I von biene baumeister und zwi negator wurde ja schon hingewiesen. wieder im conne island newsflyer „cee ieh“ – in der novemberausgabe – ist jetzt die, wie die autoren schreiben, „nahtlose fortsetzung von teil I“ erschienen und sei zur lektüre empfohlen. um die entscheidung für oder gegen die lektüre des textes, bzw. der texte, zu erleichtern zwei kurze ausschnitte, zunächst den ersten absatz des ersten textes und nachfolgend die ersten eineinhalb absätze des zweiten textes:

Die Beschäftigung mit der Revolution in Russland 90 Jahre nach ihrem Ausbruch und 16 Jahre nach dem Untergang des Staates, der aus ihr hervorgegangen war, ist mehr dem Kampf gegen den Konformismus geschuldet und dem Eingedenken der Geschlagenen als dem Bedürfnis nach einer detailreichen Auseinandersetzung mit einzelnen “Fehlern“. Die Revolution muss dem Vergessen bzw. dem Beutezug der Sieger entrissen und zugleich der grausam-gründlichen Kritik unterworfen werden – im Sinne einer Selbstkritik der proletarischen „wirklichen Bewegung, welche den jetzigen Zustand aufhebt“ (Karl Marx, MEW 3, S. 35). Für uns ist jetzt der abgetretene „real existierende Sozialismus“ Geschichte einer säkularen Niederlage – anders war es noch für “die Situationistische Internationale in ihrer Zeit“ (1957 – 1972), die sich dem linken Konformismus als vermeintlichem Sieger der Geschichte unter roten Fahnen und dem Marxismus-Leninismus als seiner Ideologie des „Fortschritts der Geschichte“(1) entgegenstellen musste[…]

Die Perspektive der Aufhebung der Wert- und Warenform, der Lohnarbeit und Proletarität, des Abbaus der Entfremdungen und der Verdinglichungs- und Fetischformen der gesellschaftlichen Reproduktion, die Emanzipation der ArbeiterInnen selbst usw. hat diese Klasse nicht, aber missbraucht sie als Phraseologie. „Den Kapitalismus ein- und überholen!“ ist die Devise, die den Stalinismus zum Modell aller rückständigen Ökonomien und (Möchtegern-) Bourgeoisien machen konnte. „Die nach dem bürgerlichen Modell der Absonderung organisierte Arbeiterpartei hat für diese Ergänzungsaufgabe der herrschenden Klasse den hierarchisch-staatlichen Rahmen geschaffen.“ (GdS§104)
Noch der sterbende Lenin initiierte eine weitere Art Partei-über-der-Partei und ihrem Staatsapparat: Die „Arbeiter- und Bauern-Inspektion“, die er idealistisch, voluntaristisch und elitär an keine höhere Instanz zu binden wusste als “ihr Gewissen“ als “die wirklich aufgeklärten Elemente“, die allerbeste proletarische “Fliege in der Milch“ der russischen halbasiatisch-despotischen Rückständigkeit, auf dem „proletarischen“ Staat, „demselben russischen Apparat, den wir (…) vom Zarismus übernommen und nur ganz leicht mit Sovjetöl gesalbt haben.“ (so Lenins „Testament“: Brief an den Parteitag Dezember/Januar1922/23). Der Generalsekretär, den Lenin hochgepäppelt hatte, Stalin, verwirklichte diese Apparatehierarchie – jenseits von „revolutionären“ Gewissenszwängen – sogleich durch sein System der „Kader-Akten“: Als Durchsetzung eines bedingungslosen Kadavergehorsams und als Vollendung des von Lenin immer schon eingeklagten „Primats der Politik über die Ökonomik“. Die Kader sollten schlechthin alles entscheiden. „Es gilt, die Funktionäre so auszulesen, dass die Posten von Menschen bekleidet werden, die es verstehen, die Direktiven zu verwirklichen.“ (Stalin).[…]

mixed #34

- annalist, ein blog über den umgang des staates mit denjenigen, die er – mittels haarsträubender konstruktionen – des terrorismus verdächtigt und was das für diejenigen bedeutet, die engeren umgang mit ihnen haben. (via.)

Meine erster Gedanke, als die Vorhut des LKA Berlin am 31.7. bei uns in der Wohnung stand und mich anschrie (das BKA kam erst später, weil sie es aus Meckenheim nicht zu um 7 Uhr morgens geschafft hatten), war „Oh. So ist das also.“ Danach dachte ich eine ganze Weile lang nicht mehr so viel. In den Wochen danach, in meinem neuen Alltag allein mit zwei Kindern, zwischen Anwältin, unendlich vielen Menschen, die helfen wollten und der Realität, angeblich mit einem von Deutschlands Top-Terroristen liiert zu sein (wir sind übrigens nicht verheiratet), habe ich lange gebraucht, wieder Boden unter die Füße zu kriegen. Der Graben zwischen dem Bewusstsein, dass die ganzen Puzzlesteine, die die terroristische Identität belegen sollen, im wirklichen Leben jede Satire überholen, und andererseits dem Wissen, dass das kein Spaß ist, sondern völlig ernst gemeint, ist ziemlich tief. Beides in einem Kopf zu einer Realität zusammen zu bringen, ist nicht so einfach. Als Andrej nach drei Wochen Moabit wieder da war, wurde es etwas besser. Wir gewöhnen uns zu schnell an Dinge, und deswegen ist es gut zu lesen, wieviele das alles überhaupt nicht normal finden.

(source.)

- die beschäftigung der linken mit antisemitismus ist keine ganz so neue sache, dass zeigen auch die dankenswerterweise von abdel kader gepostete sammlung von texten anarchistischer und marxistischer autoren, die alle im zeitraum von 1890 bis 1937 erschienen sind. darunter auch werke von klassikern wie lenin, engels oder trotzki. und auch stalin, der in späteren jahren selbst zum antisemiten wurde, ist mit einem text vertreten.

- gerade beim stöbern im umfangreichen textarchiv der roten ruhr uni entdeckt: „Benjamin und Adorno über Kunst und Kulturindustrie“. der autor, christoph hesse, schreibt einleitend:

In seinen geschichtsphilosophischen Thesen formulierte Walter Benjamin den seither häufig zitierten Satz, es sei »niemals ein Dokument der Kultur, ohne zugleich ein solches der Barbarei zu sein.« Auch Kunst, die sich hoch über das gesellschaftliche Leben erhebt, habe gleichwohl teil an dessen gewalttätiger Reproduktion. Und sei es nur dadurch, daß sie dem unschönen Dasein unweigerlich einen Anstrich von Schönheit verleiht. Dies hat Adorno später als den »konservativen Aspekt« eines jedes Kunstwerks bezeichnet, dessen »Existenz hilft, die Sphären von Geist und Kultur zu befestigen, deren reale Ohnmacht und deren Komplizität mit dem Prinzip des Unheils nackt zutage treten.« In der Beurteilung dieses Schuldzusammenhangs waren Benjamin und Adorno einig. Einig waren sie aber auch darin, daß die Konsequenz daraus nicht lauten könne, Kunst und Kultur zu dispensieren und zynisch der unmaskierten Barbarei das Wort zu reden. Dem Unbehagen in der Kultur zu entkommen, dürfe nicht heißen, sich auf die tierische Natur zurückzuziehen, sondern im Gegenteil die von der zweiten, gesellschaftlichen Natur geschaffenen Bedingungen des Lebens zu ändern, die für das schlechte Gewissen der Kultur im wesentlichen verantwortlich sind. Uneins hingegen waren sie in der Beantwortung der Frage, wie im Medium der Kunst selbst die Barbarei, deren Dokument sie sein soll, reflektiert werden könne in der Hoffnung, jenen Zustand vielleicht einmal real abzuschaffen. […]

jawbreaker.

typische 90er jahre musikvideo ästhetik. band spielt song in einer vorstadt-garage-like box, dem us-rehearsal klischee schlechthin. abwechselnd mit band in box werden an den text mehr oder weniger angelehnte filmsequenzen eingestreut. der song zum video – fireman – stammt von jawbreakers viertem album und magnum opus „dear you“, für dass sie als potentieller nachfolger von sowohl nirvana als auch offspring und ebenso wie samiam oder texas is the reason und sensefield 1994 von einem majorlabel – im fall jawbreaker war dies „geffen“ – gesigned wurden. nach der fantastischen „dear you“ war dann schluss für jawbreaker. sänger blake schwarzenbach gründete danach jets to brazil, die nach drei lps nun auch schon wieder seit 2003 geschichte sind.

be mine.

das von bauhaustapete verlinktekonichiwa bitches“ ist ein großartiger song von robyn. noch viel viel besser aber ist „be mine“, obwohl ich mich nicht entscheiden kann, ob ich nun das im video verwendete original oder den fantastischen „verschwende deine jugend-remix by fluokids“ besser finden soll, den es 2006 mal hier gab.

edit: video ersetzt da zuerst gepostetes leider nicht mehr verfügbar ist.

göttingen content

messerscharfe analysen, so kennt und liebt man die polizeipressestelle:

[…]Mit Äußerungen wie „kein Frieden mit dem Polizeistaat“ wurde der „deutsche Polizeistaat“ von einem der Redner abgelehnt[…]

aus dem bericht der polizeidirektion göttingen über einen am heutigen samstag in der göttingen innenstadt stattgefundenen „[…] von Aggressivität und Gewaltbereitschaft geprägte[n][…]“ aufzug von „[…]rund 390 linksextreme[n][…]“(alle zitate aus der pressemitteilung). das ganze, brilliante, literarische machwerk gibt es hier.

des weiteren:

neben den bereits erwähnten Verfahren leitete die Polizei Göttingen weitere Ermittlungsverfahren wegen […] des „Missbrauchs von Titeln, Berufsbezeichnungen und Abzeichen“ ein.

da wüsste ich doch gerne worauf sich das bezieht. auf jedenfall: thumbs up göttinger polizei, kreativ seid ihr ja, das muss man euch lassen…

no blogs for idiots.

natürlich, lehrer zu sein ist keine emanzipatorische tätigkeit. man richtet den nachwuchs auf die kapitalistische gesellschaft zu, sorgt dafür, dass sie funktionieren. aber welche lohnarbeit ist schon emanzipatorisch. wenn es den eigenen fähigkeiten am ehesten entspricht lehrer zu sein, dann soll man diesen beruf erlernen und ausüben. man ist nunmal gezwungen seine arbeitskraft zu verkaufen, wenn man nicht nur überleben, sondern auch leben möchte. und vielleicht macht ein linker lehrer ja einen kleinen unterschied, setzt in den schüler_innen ein kritisches potential frei. wie auch ein linker richter z.b. einen kleinen unterschied machen kann. wendy hat das nicht kapiert, wie er_sie, wenn man sich den blog mal durchliest, auch sonst eher wenig rafft.

antisemiten. heute: alexander lukashenko und ann coulter.

neben hugo chavez ist alexander lukashenko, seines zeichens präsident von belorussland, einer der lieblingsstaatschefs der jungen welt. geliebt wird er für seine antiwestliche und autarkische politik, die genau ins schema der feuchten antiimperialistischen träume der berliner national-bolsheviken passt. während der venezolanische präsident explizit antisemitische äußerungen bislang vermied und sich auf das kuscheln mit dem berühmtesten holocaust-leugner der welt und doppeldeutige anmerkungen beschränkt, mag es der herr aus minsk etwas direkter:

Lukashenko said during a press conference last week that the problems in the Belarusian town of Bobruisk were a direct result of Jewish activity in the city.

„This is a Jewish town, and Jews do not look after the cities in which they live. Take Israel for example, I was there and I saw it myself,“ the Belarusian leader said. He added that the status of the city improved only after the Jews left, while simultaneously urging „Jews who have money“ to return to Bobruisk.

(source.)

auch die andere seite des politischen spektrums, wenn man sich des verkürzt eindimensionalen spektrums bedient, hält man sich mit antisemitismus nicht zurück. auch und vor allem bei den israelsolidarischen evangelikalen, die jüd_innen nur mögen, solange sie für missionierbar gehalten werden und die israel nur verteidigen, weil es ihnen ihre wahnhaften apokalyptischen visionen vorschreiben. eine der „vordenkerinnen“ dieser szene ist ann coulter, rechtsradikale kolumnistin und auch bei politisch inkorrekten in deutschland sehr beliebt:

Frage an unsere Leser: Warum gibt es in Deutschland weit und breit keine konservative Persönlichkeit, die auch nur ansatzweise mit einer Ann Coulter zu vergleichen wäre?

(source: hxxp://www.politicallyincorrect.de/2007/05/ann-coulter-eine-amerikanische-patriotin/)
diese ann coulter wurde jetzt von donny deutsch für the big idea einer sendung bei cnbc interviewed und dankenswerterweise äußerte sie sich sehr explizit über ihren traum einer rein-christlichen usa:

DEUTSCH: Christian — so we should be Christian? It would be better if we were all Christian?

COULTER: Yes.

DEUTSCH: We should all be Christian?

COULTER: Yes.

[…]

COULTER: But yeah, I think that’s reflective of what’s going on in the culture, but it is completely striking that at these huge megachurches — the idea that, you know, the more Christian you are, the less tolerant you would be is preposterous.

DEUTSCH: That isn‘t what I said, but you said I should not — we should just throw Judaism away and we should all be Christians, then, or --

COULTER: Yeah.

DEUTSCH: Really?

COULTER: Well, it’s a lot easier. It’s kind of a fast track.

DEUTSCH: Really?

COULTER: Yeah. You have to obey.

DEUTSCH: You can‘t possibly believe that.

COULTER: Yes.

DEUTSCH: You can‘t possibly — you‘re too educated, you can‘t — you‘re like my friend in --

COULTER: Do you know what Christianity is? We believe your religion, but you have to obey.

DEUTSCH: No, no, no, but I mean --

COULTER: We have the fast-track program.

DEUTSCH: Why don‘t I put you with the head of Iran? I mean, come on. You can‘t believe that.

COULTER: The head of Iran is not a Christian.

DEUTSCH: No, but in fact, „Let’s wipe Israel“ --

COULTER: I don‘t know if you‘ve been paying attention.

DEUTSCH: „Let’s wipe Israel off the earth.“ I mean, what, no Jews?

COULTER: No, we think — we just want Jews to be perfected, as they say.

DEUTSCH: Wow, you didn‘t really say that, did you?

COULTER: Yes. That is what Christianity is.

[…]

DEUTSCH: Jews are going to be perfected. I‘m going to go off and try to perfect myself --

COULTER: Well, that’s what the New Testament says.

DEUTSCH: Ann Coulter, author of If Democrats Had Any Brains, They‘d Be Republicans, and if Ann Coulter had any brains, she would not say Jews need to be perfected. I‘m offended by that personally. And we‘ll have more Big Idea when we come back.

(source. | via.)

daniel fallenstein bemerkt dazu bei fdog ganz richtig:

Christen sind nach dieser Logik perfekt, Juden nicht. Diese Hierarchie der Religionen ist mindestens riesiger Bullshit […] Wo Eva Herman mit einer weichgespülten Fehlinterpretation des Lebensborns höchstens lästig ist, profiliert sich Ann Coulter als Antisemitin in der guten alten Tradition von Christen, die Juden für minderwertig erachten. In der künftigen Perspektive drängt sich der Vergleich zu Martin Luther auf, der bitter enttäuscht von den Juden, die nicht seinem gepimpten Christentum folgten, übelste antijüdische Pamphlete verfasste. Sein Beispiel zeigt lichtvoll, welches antisemitische Potential im Philosemitismus durchgeknallter Christen angelegt ist.

auch bradley burston ist nur zuzustimmen, wenn er in haaretz über das gleiche interview schreibt und zu folgendem schluss kommt:

Ann Coulter is my enemy. Ann Coulter is the kind of patriotic, persuasive, powerful American who is precisely what is wrong with America.
I‘ll never underestimate her again. Ann Coulter has a plan for the Jews. She has one for Muslims as well. And it’s her people who are exactly the kind of Americans who could find the way to try to carry it out.

recommended reading – crisco content

Offensichtlich hatte mein amouröser Paartanz nicht nur den Chef der drei Dorfskins erregt, auch das aus zwei weiteren desaströs gekleideten Heil-Hitler-Horsten bestehende und die angekündigte Kameradschaft bildende Gefolge schloss sich sofort an. Ich bedankte mich mit einem Verwunderung auslösenden Knicks bei meiner Tanzpartnerin, ihren traurig, verwundert und voller Zuneigung dreinschauenden Augen wich ich feige aus.

koksen.kotzen.kommunismus #2 bei der crisco connection.

ich verbinde es mit solidarität, friedfertigkeit und hippietum.

coole kids tragen pali tuch und erwachsene ebenso. und je vermeintlich cooler, desto höher die pro-kopf bestückung mit dieser nahöstlichen kopfbedeckung. im schanzenviertel gehört es zur standardaustattung der dort zwecks sehen und gesehen werden beim galao in cafés sitzenden. die frauen mögen sich unterscheiden in die stiefel-in-hose und chucks-plus-schwarze-röhrenjeans fraktion, die kopfwindel eint sie stylistisch. auch die männer finden, ob barbourjacke oder carhartt-schnecken-träger, einen klamotten-konsens in der kuffiah. bei derartiger penetranz des modetrends kann es die hamburger mopo gar nicht übersehen und erklärt den vermutlich weniger betroffenen in wandsbek und fuhlsbüttel das phänomen. neben der gar nicht mal so uninformierten beschreibung der tradition des pali-tuches lassen die schreiber_innen des artikels „hamburg trägt wieder ‚pali-tuch‘ „auch noch einige modeopfer zu wort kommen. recommended viewing. (via.)

wenn ich mich recht erinnere gab es den ersten mainstream-boom des palästinenser tuches ende der 80er. langsam aber sicher zieht ein revival der 90er jahre mode am horizont auf, zum pali-tuch trägt hamburg bald flanellhemd und schnellfickerhose. es geht immer NOCH schlimmer…

recommended listening 0907

september

wegen andauernder überarbeitung kommt das semptember recommended listening erst mitte oktober und selbst jetzt nur arg reduziert. ich gelobe für recommended listening 1007 besserung und hoffe, dass ich es schaffen werde das ganze ohne große verspätung zu posten. im september mein persönlicher favorit war ohne zweifel der „missingtoof mix vol. 1“ von basura. ungefähr 70 minuten stimmungsaufheller, genau das richtige für den depressiv machenden herbst. nur björk passt nicht so ganz in den mix hinein, ansonsten gibt es nichts zu meckern.

basura – missingtoof mix vol. 1

tracklist:

1. Mr. Oizo – Latex
2. Surkin – And You Too
3. Justice – Party (LA Riots remix)
4. Rhianna – Umbrella (VNDLSM remix)
5. Daft Punk – Human After All
6. Does It Offend You, Yeah? – We Are Rockstar (Pornophonics remix)
7. Vitalic – Poney pt. 1
8. Franz and Shape – Countach
9. Crystal Castles – Dolls
10. Larry Tee feat. Princess Superstar – Licky (Herve Goes Low remix)
11. Yuksek – Should Be Slave
12. Fancy – What’s Your Name Again (Busy P remix)
13. H-Man – Manga
14. Lillica Libertine – Liaaars
15. Freeform 5 – No More Conversations (Mylo remix)
16. MSTRKRFT – Street Justice
17. Modeselektor – Dancingbox
18. Xenia Beliayeva – Nanotubes
19. Audion- Kisses
20. Switch – A Bit Patchy
21. Soulwax – Another Excuse
22. Kid Sister – Damn Girl (Curtis Vodka remix)
23. Bonde Do Role – Caminhao De Gas
24. Calvin Harris – Acceptable In The 80’s
25. Foreign Island – Fine Dining w/ The Future (Boys Noize remix)
26. Klaxons – Golden Skans (So Me remix)
27. Armand Van Helden – Playmate w/ Roxy Cottontail
28. Bjork – I Miss You
29. Wonderland Ave. – Whitehorse
30. Kids On TV – Raw Raw Raw
31. Digitalism – Magnets
32. Yeah Yeah Yeahs – Cheated Hearts (Peaches remix)
33. Vive La Fete – Touche Pas

dejagah boykottiert israel.

der deutsche u21-nationalspieler ashkan dejagah hat sich selbst aus dem kader der u21-nationalmannschaft ausgeladen um nicht mit dieser nach israel reisen und gegen die israelische u21-auswahl antreten zu müssen. der 21-jährige fußballprofi vom vfl wolfsburg, der normalerweise zur stammelf der deutschen u21 gehört, hat beim dfb aus persönlichen gründen um die nicht nominierung für das spiel gegen israel gebeten, der bild-zeitung jedoch sagte er:

Das hat politische Gründe. Jeder weiß, dass ich Deutsch-Iraner bin.

und iraner, egal welcher staatsangehörigkeit, spielen nunmal nicht mit israelis, zionisten und juden, weil der onkel achmannwasfüreinscheiss und seine mullahfreunde sonst wütend werden. prominente vorbilder dejagahs sind ein iranischer ringer, der sich bei den olympischen spielen 2004 weigerte gegen einen israeli anzutreten, oder auch der ehemalige spieler von bayern münchen, vahid hashemian, der vor den champions-league spielen gegen maccabi tel-aviv in der saison 2004/05 plötzlich verletzt war. aber das israel-boykott-syndrom im sport beschränkt sich keineswegs auf „iraner“, auch der ehemalige französische national-torwart fabien barthez weigerte sich 2005 bei einem wm-qualifikationsspiel gegen israel anzutreten und im gegensatz zu dejagah musste barthez noch nicht einmal gegen seine familie gerichtete repression befürchten.

dates 1007

der oktober ging mit einem relativ spontan organisiertem konzert von the now-denial am 01.10.2007 in der roten flora zu hamburg schon nahezu perfekt los, verwundernd bloß, dass nur knapp über hundert besucher_innen dem konzert dieser großartigen band beiwohnen wollten. einmal mehr konnte die vermutung bestätigt werden, dass hamburg wohl die stadt ist, in der die menschen auf konzerten sich am wenigsten bewegen. selbst in der mit-verschränkten-armen-in-der-ecke-stehen stadt göttingen gab die crowd beim konzert von the now-denial mal die zurückhaltung auf, von der publikumsreaktion beim trainspotting fest 2006 ganz zu schweigen.

am 06.10.2007 sollte es eigentlich nach bremen zu gorilla biscuits gehen, ein blick auf den kontoauszug zerstörte diesen plan. vielleicht auch besser so, dann werden mir nur die jung-dynamischen biscuits von der start today lp in erinnerung bleiben und es besteht keine chance von alternden musikern enttäuscht zu werden. dafür dann vielleicht am sonntag schneller autos organisation und xrfarflight im hafenklang.

ebenfalls im hafenklang, nur vier tage später am 11.10.2007, spielen antitainment und escapado. antitainment finden ja alle gut, ich finde sie nur äußerst langweilig und überflüssig. escapado dagegen sind weder überflüssig noch langweilig, beim letzten konzert im juzi göttingen waren sie im direkten duell mit xconfrontox klare punktsieger. ihre neue platte ist beim kettcartomte-label ghvc erschienen und steigert so die qualität der dortigen releases – wie auch den bekanntheitsgrad von escapado – nicht unerheblich. spannend bleibt wie die typischen tomtekettcardeathcab konsument_innen auf escapado reagieren werden und ob diese in erwartung eines kettcar-clones das hafenklang zu hunderten stürmen werden.

les savy fav

gegen ende des monats gibt es dann mit den konzerten von les savy fav, stereo total und egotronic in einer woche noch einen konzertmarathon. als erstes wird die new yorker post-core-band les savy fav – gerade auf re-union tour – am 24.10.2007 im übel&gefährlich auftreten. obwohl nicht aus washington dc und somit – auch wenn es musikalisch passen würde – nie auf dischord, gehören sie assoziativ für mich in die selbe schublade wie q and not u oder bluetip. alles drei bands die mich vor vier, fünf jahren so richtig begeisterten und die sich leider alle nach und nach auflösten. les savy fav, die in meinen augen beste der drei bands, ist jetzt zum glück wieder vereint und hat auch ein neues album draussen, welches ich allerdings noch nicht begutachten konnte. so sei nur auf die drei „alten“ lps „3/5“, „the cat and the cobra“, „go forth“, und die singles collection „inches“ verwiesen. mein favorit ist „go forth“, welches – ohne ausnahme – nur hits beinhaltet und selbst den gang zum supermarkt bei hamburger regenwetter zu einer angenehmen beschäftigung macht. highly recommended concert.

stereo total

einen tag später, selbe location, geben sich stereo total die ehre. ebenfalls mit neuer lp im gepäck. sollten eigentlich alle kennen, deshalb erspare ich mir hier lange erklärungen und verweise auf die ankündigung ihres leipzig konzertes im cee ieh. hingehen.

am 27.10.2007 dann releasen egotronic ihre neue cd live im hafenklang. zusammen mit bratze und curse ov dialect. danach kommt november und vermutlich wieder mehr elektronisches…