antisemiten. heute: alexander lukashenko und ann coulter.

neben hugo chavez ist alexander lukashenko, seines zeichens präsident von belorussland, einer der lieblingsstaatschefs der jungen welt. geliebt wird er für seine antiwestliche und autarkische politik, die genau ins schema der feuchten antiimperialistischen träume der berliner national-bolsheviken passt. während der venezolanische präsident explizit antisemitische äußerungen bislang vermied und sich auf das kuscheln mit dem berühmtesten holocaust-leugner der welt und doppeldeutige anmerkungen beschränkt, mag es der herr aus minsk etwas direkter:

Lukashenko said during a press conference last week that the problems in the Belarusian town of Bobruisk were a direct result of Jewish activity in the city.

„This is a Jewish town, and Jews do not look after the cities in which they live. Take Israel for example, I was there and I saw it myself,“ the Belarusian leader said. He added that the status of the city improved only after the Jews left, while simultaneously urging „Jews who have money“ to return to Bobruisk.

(source.)

auch die andere seite des politischen spektrums, wenn man sich des verkürzt eindimensionalen spektrums bedient, hält man sich mit antisemitismus nicht zurück. auch und vor allem bei den israelsolidarischen evangelikalen, die jüd_innen nur mögen, solange sie für missionierbar gehalten werden und die israel nur verteidigen, weil es ihnen ihre wahnhaften apokalyptischen visionen vorschreiben. eine der „vordenkerinnen“ dieser szene ist ann coulter, rechtsradikale kolumnistin und auch bei politisch inkorrekten in deutschland sehr beliebt:

Frage an unsere Leser: Warum gibt es in Deutschland weit und breit keine konservative Persönlichkeit, die auch nur ansatzweise mit einer Ann Coulter zu vergleichen wäre?

(source: hxxp://www.politicallyincorrect.de/2007/05/ann-coulter-eine-amerikanische-patriotin/)
diese ann coulter wurde jetzt von donny deutsch für the big idea einer sendung bei cnbc interviewed und dankenswerterweise äußerte sie sich sehr explizit über ihren traum einer rein-christlichen usa:

DEUTSCH: Christian — so we should be Christian? It would be better if we were all Christian?

COULTER: Yes.

DEUTSCH: We should all be Christian?

COULTER: Yes.

[…]

COULTER: But yeah, I think that’s reflective of what’s going on in the culture, but it is completely striking that at these huge megachurches — the idea that, you know, the more Christian you are, the less tolerant you would be is preposterous.

DEUTSCH: That isn‘t what I said, but you said I should not — we should just throw Judaism away and we should all be Christians, then, or --

COULTER: Yeah.

DEUTSCH: Really?

COULTER: Well, it’s a lot easier. It’s kind of a fast track.

DEUTSCH: Really?

COULTER: Yeah. You have to obey.

DEUTSCH: You can‘t possibly believe that.

COULTER: Yes.

DEUTSCH: You can‘t possibly — you‘re too educated, you can‘t — you‘re like my friend in --

COULTER: Do you know what Christianity is? We believe your religion, but you have to obey.

DEUTSCH: No, no, no, but I mean --

COULTER: We have the fast-track program.

DEUTSCH: Why don‘t I put you with the head of Iran? I mean, come on. You can‘t believe that.

COULTER: The head of Iran is not a Christian.

DEUTSCH: No, but in fact, „Let’s wipe Israel“ --

COULTER: I don‘t know if you‘ve been paying attention.

DEUTSCH: „Let’s wipe Israel off the earth.“ I mean, what, no Jews?

COULTER: No, we think — we just want Jews to be perfected, as they say.

DEUTSCH: Wow, you didn‘t really say that, did you?

COULTER: Yes. That is what Christianity is.

[…]

DEUTSCH: Jews are going to be perfected. I‘m going to go off and try to perfect myself --

COULTER: Well, that’s what the New Testament says.

DEUTSCH: Ann Coulter, author of If Democrats Had Any Brains, They‘d Be Republicans, and if Ann Coulter had any brains, she would not say Jews need to be perfected. I‘m offended by that personally. And we‘ll have more Big Idea when we come back.

(source. | via.)

daniel fallenstein bemerkt dazu bei fdog ganz richtig:

Christen sind nach dieser Logik perfekt, Juden nicht. Diese Hierarchie der Religionen ist mindestens riesiger Bullshit […] Wo Eva Herman mit einer weichgespülten Fehlinterpretation des Lebensborns höchstens lästig ist, profiliert sich Ann Coulter als Antisemitin in der guten alten Tradition von Christen, die Juden für minderwertig erachten. In der künftigen Perspektive drängt sich der Vergleich zu Martin Luther auf, der bitter enttäuscht von den Juden, die nicht seinem gepimpten Christentum folgten, übelste antijüdische Pamphlete verfasste. Sein Beispiel zeigt lichtvoll, welches antisemitische Potential im Philosemitismus durchgeknallter Christen angelegt ist.

auch bradley burston ist nur zuzustimmen, wenn er in haaretz über das gleiche interview schreibt und zu folgendem schluss kommt:

Ann Coulter is my enemy. Ann Coulter is the kind of patriotic, persuasive, powerful American who is precisely what is wrong with America.
I‘ll never underestimate her again. Ann Coulter has a plan for the Jews. She has one for Muslims as well. And it’s her people who are exactly the kind of Americans who could find the way to try to carry it out.

7 Kommentare


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  1. Mich stört der Begriff Antisemitische Internationale, du meinst das wahrscheinlich gar nicht in diesem Sinne (siehe Link), dennoch vermittelt die Bezeichnung ein falsches Bild vom fast überall auf der Welt existierenden Antisemitismus.

    Comment von abdel kader — 21. Oktober 2007 @ 15:09

  2. ja, in dem sinne ist die überschrift natürlich nicht gemeint. denke mir da nochmal was anderes aus, weil – ob ich will oder nicht – diese verschwörungs-assoziation da ist und nicht die von mir gewollte, dass antisemitismus eben ubiquitär ist…

    Comment von Administrator — 21. Oktober 2007 @ 16:16

  3. es gibt aber auch stimmen in den usa, die sie komplett vom vorwurf des antisemitismus freisprechen, siehe http://www.townhall.com/columnists/DennisPrager/2007/10/16/ann_coulter_wants_jews_to_become_christian_--_so_what

    Comment von tousetrien — 22. Oktober 2007 @ 11:26

  4. dass antisemitismus eben ubiquitär ist…

    Auch wenn Hannah Arendt mal meinte, man sei vor dem Antisemitismus nur noch auf dem Monde sicher, vermute ich dass der Antisemitismus nicht ubiquitär ist und es in manchen Ländern entweder gar keinen oder einen (verglichen mit Deutschland) nur marginalen Antisemitismus gibt. Darüber kann ich aber nur spekulieren.
    Vielleicht sind gerade die Regionen, wo keine monotheistischen Religionen vorherrschen und wo es keine Nationalismen gibt, die sich positiv auf den Faschismus berufen, am ehesten immun dagegen.
    Ich weiß auch nicht, inwieweit Antijudaismus in christianisierten Ländern wie Papua Neuguinea eine Rolle spielt.

    Comment von abdel kader — 22. Oktober 2007 @ 16:36

  5. @tousetrien

    Und du stimmst dem zu oder nicht?

    Comment von abdel kader — 22. Oktober 2007 @ 16:38

  6. @abdel kader

    ehrlich gesagt bin ich mir nicht so ganz sicher, was ich davon halten soll. aber aufgrund der wortwahl von ann coulter muss sie sich über die reaktionen nicht wundern. wobei ich das gedankengut, das sich hinter dieser aussage versteckt einfach für einen teil des christentums halte

    Comment von tousetrien — 22. Oktober 2007 @ 22:09

  7. Hier eine gegenteilige Meinung zu diesem Thema …

    Comment von ex-blond — 24. März 2008 @ 02:24

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