mixed #34

- annalist, ein blog über den umgang des staates mit denjenigen, die er – mittels haarsträubender konstruktionen – des terrorismus verdächtigt und was das für diejenigen bedeutet, die engeren umgang mit ihnen haben. (via.)

Meine erster Gedanke, als die Vorhut des LKA Berlin am 31.7. bei uns in der Wohnung stand und mich anschrie (das BKA kam erst später, weil sie es aus Meckenheim nicht zu um 7 Uhr morgens geschafft hatten), war „Oh. So ist das also.“ Danach dachte ich eine ganze Weile lang nicht mehr so viel. In den Wochen danach, in meinem neuen Alltag allein mit zwei Kindern, zwischen Anwältin, unendlich vielen Menschen, die helfen wollten und der Realität, angeblich mit einem von Deutschlands Top-Terroristen liiert zu sein (wir sind übrigens nicht verheiratet), habe ich lange gebraucht, wieder Boden unter die Füße zu kriegen. Der Graben zwischen dem Bewusstsein, dass die ganzen Puzzlesteine, die die terroristische Identität belegen sollen, im wirklichen Leben jede Satire überholen, und andererseits dem Wissen, dass das kein Spaß ist, sondern völlig ernst gemeint, ist ziemlich tief. Beides in einem Kopf zu einer Realität zusammen zu bringen, ist nicht so einfach. Als Andrej nach drei Wochen Moabit wieder da war, wurde es etwas besser. Wir gewöhnen uns zu schnell an Dinge, und deswegen ist es gut zu lesen, wieviele das alles überhaupt nicht normal finden.

(source.)

- die beschäftigung der linken mit antisemitismus ist keine ganz so neue sache, dass zeigen auch die dankenswerterweise von abdel kader gepostete sammlung von texten anarchistischer und marxistischer autoren, die alle im zeitraum von 1890 bis 1937 erschienen sind. darunter auch werke von klassikern wie lenin, engels oder trotzki. und auch stalin, der in späteren jahren selbst zum antisemiten wurde, ist mit einem text vertreten.

- gerade beim stöbern im umfangreichen textarchiv der roten ruhr uni entdeckt: „Benjamin und Adorno über Kunst und Kulturindustrie“. der autor, christoph hesse, schreibt einleitend:

In seinen geschichtsphilosophischen Thesen formulierte Walter Benjamin den seither häufig zitierten Satz, es sei »niemals ein Dokument der Kultur, ohne zugleich ein solches der Barbarei zu sein.« Auch Kunst, die sich hoch über das gesellschaftliche Leben erhebt, habe gleichwohl teil an dessen gewalttätiger Reproduktion. Und sei es nur dadurch, daß sie dem unschönen Dasein unweigerlich einen Anstrich von Schönheit verleiht. Dies hat Adorno später als den »konservativen Aspekt« eines jedes Kunstwerks bezeichnet, dessen »Existenz hilft, die Sphären von Geist und Kultur zu befestigen, deren reale Ohnmacht und deren Komplizität mit dem Prinzip des Unheils nackt zutage treten.« In der Beurteilung dieses Schuldzusammenhangs waren Benjamin und Adorno einig. Einig waren sie aber auch darin, daß die Konsequenz daraus nicht lauten könne, Kunst und Kultur zu dispensieren und zynisch der unmaskierten Barbarei das Wort zu reden. Dem Unbehagen in der Kultur zu entkommen, dürfe nicht heißen, sich auf die tierische Natur zurückzuziehen, sondern im Gegenteil die von der zweiten, gesellschaftlichen Natur geschaffenen Bedingungen des Lebens zu ändern, die für das schlechte Gewissen der Kultur im wesentlichen verantwortlich sind. Uneins hingegen waren sie in der Beantwortung der Frage, wie im Medium der Kunst selbst die Barbarei, deren Dokument sie sein soll, reflektiert werden könne in der Hoffnung, jenen Zustand vielleicht einmal real abzuschaffen. […]

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