recommended reading: aufstieg & fall des konzentrierten spektakels

oktoberrevolution
auf aufstieg & fall des konzentrierten spektakels I von biene baumeister und zwi negator wurde ja schon hingewiesen. wieder im conne island newsflyer „cee ieh“ – in der novemberausgabe – ist jetzt die, wie die autoren schreiben, „nahtlose fortsetzung von teil I“ erschienen und sei zur lektüre empfohlen. um die entscheidung für oder gegen die lektüre des textes, bzw. der texte, zu erleichtern zwei kurze ausschnitte, zunächst den ersten absatz des ersten textes und nachfolgend die ersten eineinhalb absätze des zweiten textes:

Die Beschäftigung mit der Revolution in Russland 90 Jahre nach ihrem Ausbruch und 16 Jahre nach dem Untergang des Staates, der aus ihr hervorgegangen war, ist mehr dem Kampf gegen den Konformismus geschuldet und dem Eingedenken der Geschlagenen als dem Bedürfnis nach einer detailreichen Auseinandersetzung mit einzelnen “Fehlern“. Die Revolution muss dem Vergessen bzw. dem Beutezug der Sieger entrissen und zugleich der grausam-gründlichen Kritik unterworfen werden – im Sinne einer Selbstkritik der proletarischen „wirklichen Bewegung, welche den jetzigen Zustand aufhebt“ (Karl Marx, MEW 3, S. 35). Für uns ist jetzt der abgetretene „real existierende Sozialismus“ Geschichte einer säkularen Niederlage – anders war es noch für “die Situationistische Internationale in ihrer Zeit“ (1957 – 1972), die sich dem linken Konformismus als vermeintlichem Sieger der Geschichte unter roten Fahnen und dem Marxismus-Leninismus als seiner Ideologie des „Fortschritts der Geschichte“(1) entgegenstellen musste[…]

Die Perspektive der Aufhebung der Wert- und Warenform, der Lohnarbeit und Proletarität, des Abbaus der Entfremdungen und der Verdinglichungs- und Fetischformen der gesellschaftlichen Reproduktion, die Emanzipation der ArbeiterInnen selbst usw. hat diese Klasse nicht, aber missbraucht sie als Phraseologie. „Den Kapitalismus ein- und überholen!“ ist die Devise, die den Stalinismus zum Modell aller rückständigen Ökonomien und (Möchtegern-) Bourgeoisien machen konnte. „Die nach dem bürgerlichen Modell der Absonderung organisierte Arbeiterpartei hat für diese Ergänzungsaufgabe der herrschenden Klasse den hierarchisch-staatlichen Rahmen geschaffen.“ (GdS§104)
Noch der sterbende Lenin initiierte eine weitere Art Partei-über-der-Partei und ihrem Staatsapparat: Die „Arbeiter- und Bauern-Inspektion“, die er idealistisch, voluntaristisch und elitär an keine höhere Instanz zu binden wusste als “ihr Gewissen“ als “die wirklich aufgeklärten Elemente“, die allerbeste proletarische “Fliege in der Milch“ der russischen halbasiatisch-despotischen Rückständigkeit, auf dem „proletarischen“ Staat, „demselben russischen Apparat, den wir (…) vom Zarismus übernommen und nur ganz leicht mit Sovjetöl gesalbt haben.“ (so Lenins „Testament“: Brief an den Parteitag Dezember/Januar1922/23). Der Generalsekretär, den Lenin hochgepäppelt hatte, Stalin, verwirklichte diese Apparatehierarchie – jenseits von „revolutionären“ Gewissenszwängen – sogleich durch sein System der „Kader-Akten“: Als Durchsetzung eines bedingungslosen Kadavergehorsams und als Vollendung des von Lenin immer schon eingeklagten „Primats der Politik über die Ökonomik“. Die Kader sollten schlechthin alles entscheiden. „Es gilt, die Funktionäre so auszulesen, dass die Posten von Menschen bekleidet werden, die es verstehen, die Direktiven zu verwirklichen.“ (Stalin).[…]

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