indydioten. heute: volxsport in berlin.

in einem artikel unter der bezeichnenden überschrift „volxsport in berlin“ bejubelt ein_e larage das anzünden von autos in berlin als „linke stadtreinigung“, freut sich darüber, dass „durch solch militante Aktionen endlich mal wieder linksradikale Politik in den bürgerlichen Medien [ist]“ und dass die brandstifter_innen es sich mit dem mob nicht verscherzt haben, „da (meistens) darauf geachtet wird, dass wirklich nur Bonzenkarren in Flammen aufgehen“.

berlin ist also schöner und sauberer ohne „luxuskarren“. vom ästhetischen standpunkt aus schonmal nicht und auch aus kommunistischer perspektive wird hier ein großer fehler gemacht: als sei das problem des kapitalismus, dass es menschen gibt, die sich „luxuskarren“ leisten können, bzw. das es diese „luxuskarren“ gibt. es ist doch vielmehr so, dass das problem darin liegt, dass in der warenförmigen gesellschaft eben nicht jede_r sich den entsprechenden luxus leisten kann, weil der verkauf der arbeitskraft gerade genug zum überleben abwirft, bzw. weil die angebotene arbeitskraft überhaupt nicht benötigt wird und man auf staatliche almosen angewiesen ist (auszuführen, wie es dazu kommt, würde den rahmen hier sprengen. da gibt es ja genug literatur und online-resourcen zu.)

auch der vorrang, der der form über den inhalt eingeräumt wird, wenn nur darauf geachtet wird, dass „durch solch militante Aktionen endlich mal wieder linksradikale Politik in den bürgerlichen Medien [ist]“ ohne überhaupt darauf einzugehen, welcher inhalt denn überhaupt in den medien rüberkommt und ohne analyse ob diese berichterstattung nicht vollkommen ohne wirkung bleibt oder ob es nicht gar zu einer gegenteiligen als der gewünschten wirkung, ist höchst problematisch. vor allem wenn durch art der anschläge und die vermittlung gerade nicht der schleier des fetischismus gelüftet wird sondern auf den entsprechenden ressentiments auch noch aufgebaut wird, in dem man meint die zustimmung des volkes durch ausschliessliches anzünden von „bonzenkarren“ zu erreichen. wer derartige politik so begründet wie im artikel bei indymedia geschehen, der ist so antikapitalistisch, wie die sa es war und somit das gegenteil von an der aufhebung des kapitalverhältnisses interessierten kommunist_innen. hoffen wir bei den attentäter_innen auf ein einsehen, bevor der staat ihnen das einsehen mittels freiheitsentzug eintrichtert und so die radikale linke auf derart verwirrte noch energie in der anti-repressionsarbeit verschwenden muss.

weil es, zumindest ein bisschen, passt und lesenswert ist: schorsch über konsumkritik als bürgerliche rebellion.

edit: indymedia ist besser als sein ruf. der artikel auf den sich hier bezogen wird, wurde von der moderation bei indymedia versteckt.

14 Kommentare


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  1. Tja, manche RAFfens immer noch nicht, dass der Kapitalismus nicht durch Porsche, Benz oder BMW (die Quandts sollten aus anderen Gründen mal beleuchtet werden) oder wie die Automobilkonzerne sonst alle heißen und wer Manager bei ihnen ist, repräsentiert wird.
    Die Hoffnung auf diese Erkenntnis stirbt zuletzt.

    Comment von A.M.P. — 12. November 2007 @ 21:56

  2. hahaha – „luxuskarren“ – genau, deshalb brannte in der rigaer auch ein ford ka – schrecklich böser luxus und super antikapitalistische aktion.

    nicht linksmotiviert sondern von einer mittelmäßigen agentur gibt es hier eine übersicht über die abgefackelten autos in berlin – kann sich jeder selbst ein bild davon machen, ob es ausschliesslich luxuskarren waren, die brannten:

    http://www.brennende-autos.de/

    Comment von scheckkartenpunk — 12. November 2007 @ 21:59

  3. Und trotzdem: es wird Ware zerstört, bewiesen, dass das ein Irrwitz ist. Das Auto ist kein gutes Beispiel für diesen Wahn. Steckt nicht insofern auch etwas Konstruktives in dieser Zerstörung? Und die Ware, der Warencharakter der Gesellschaft, nun das ist schon der Kern des Problems. Davon ist das Verkaufen müssen ja letztlich nur eine Ableitung. Abseits von Symbolik, die wohl vor allem dazu dient, sich revolutionär zu wähnen, ist mir der politische Zweck allerdings auch nicht wirklich unklar. Kann das ernsthaft, zumal in einer Gesellschaft, die Eigentum und insbesondere Autos so vergöttert, Inhalte transportieren? Wohl kaum…

    Comment von gk — 12. November 2007 @ 23:53

  4. Und trotzdem: es wird Ware zerstört, bewiesen, dass das ein Irrwitz ist. Das Auto ist kein gutes Beispiel für diesen Wahn. Steckt nicht insofern auch etwas Konstruktives in dieser Zerstörung? Und die Ware, der Warencharakter der Gesellschaft, nun das ist schon der Kern des Problems. Davon ist das Verkaufen müssen ja letztlich nur eine Ableitung. Warum es falsch sein soll, gerade Luxuskarren abzufackeln, verstehe ich nicht; es gibt kein richtiges Leben im Falschen. Der Proletarier ist letztlich eben so schuld wie der Kapitalist; zumal der Warencharakter ja total ist, verstehe ich den Einwand nicht….

    Abseits von Symbolik, die wohl vor allem dazu dient, sich revolutionär zu wähnen, ist mir der politische Zweck allerdings auch nicht wirklich unklar. Kann das ernsthaft, zumal in einer Gesellschaft, die Eigentum und insbesondere Autos so vergöttert, Inhalte transportieren? Wohl kaum…

    Comment von gk — 12. November 2007 @ 23:56

  5. es ist aber schon klar, dass „7er bmws für alle“ keine erfüllbare forderung ist, wenn man einen vernünftigen umgang mit ressourcen voraussetzt?

    Comment von bigmouth — 13. November 2007 @ 10:05

  6. No Love for the Deutsche Bahn — HD-GDL

    Obwohl ein Streik der GDL genauso wenig zur Aufhebung des Kaptialismus beiträgt wie diese bei subwave kommentierte Aktion in Berlin, möchte ich dennoch mal kommentieren, dass das ewige Gewerkschaftsbashing insbesondere in den meisten Medien inzwisc…

    Trackback von Keksbrot — 13. November 2007 @ 11:24

  7. […] Obwohl ein Streik der GDL genauso wenig zur Aufhebung des Kaptialismus beiträgt wie diese bei subwave kommentierte Aktion in Berlin, möchte ich dennoch mal kommentieren, dass das ewige Gewerkschaftsbashing insbesondere in den meisten Medien inzwischen derart lächerlich ist, dass man nur nochmal verwundert den Kopfschütteln kann: “der ganz große Knüppel.” […]

    Pingback von No Love for the Deutsche Bahn — HD-GDL | Keksbrot — 13. November 2007 @ 12:16

  8. „luxus für alle“ ist käse, da ja per definition luxus das ist, was den wenigen vorbehalten bleibt. wenn damit gemeint sein soll, dass das, was heute als „luxus“ gilt, dann für alle da sein soll (á la „marmorpaläste für die arbeiter“), ist das natürlich ebenfalls blödsinn. sollte an stelle der orientierung am profit die vernünftige planung der wirtschaft treten, wären wohl eher krankenhäuser, schulen, kühlschränke usw. für die 3.welt angesagt statt bmws für jeden deutschen – und das ist gut so!

    Comment von kommie — 13. November 2007 @ 15:53

  9. hach. gestern lief ich mit anderen auch an einem sehr teuer wirkenden auto vorbei. und wir kamen zu dem schluss: damit am besten durch die stadt zu rasen und es dann stehen zu lassen. außerdem hatten wir uns gefragt ob es auch fliegen kann wenn wir noch flügel dranbauen würden. ich fände es natürlich besser wenn ich mir auch sowas leisten könnte und fliegen oder sonstiges mit machen könnte. oder erstmal den führerschein. aber zersteche ich denn die reifen aller autos weil ich kein fliegendes auto und keinen führerschein habe? ja, ok meinetwegen: aber ich würde niemals so weit kommen können. weil ich, scheisse nochmal, nicht an ein bio-fair-trade feuerzeug rankomme. irgendwie. planwirtschaft, oder was? außerdem gibts auch keine streichies aus der region geschweige denn benzin aus der ecke hier. fuck!

    Comment von *hdgdl*-gdl — 13. November 2007 @ 15:56

  10. …der ist so antikapitalistisch, wie die sa es war

    Die SA hat Gewerkschafter und Linke angegriffen und umgebracht, die von dir gedissten Leute zünden Autos an … der Vergleich ist reichlich beknackt. Kann schon sein dass es in SA Leute gab die etwas gegen Status Symbole hatten, praktisch haben die aber nicht gegen die Bonzen agiert sondern gegen Juden, Jüdinnen und ihre politschen Gegener. Und dabei ein paar ausgeprägte Dandys an die Macht gebracht.

    Wie gehst du denn damit um, wenn wer z.B. die USA mit Nazis-Deutschland vergleicht? Das BKA zum neuen Reichssicherheitshauptamt ernennt? Bullen „SS-SA!-USK!“ entgegenplärrt? Wahrscheinlich schreist du „Verharmlosung!“ und „Relativierung!“ – zu recht. Aber linken SA-Methoden unterstellen, das geht klar – Feindbildpflege muss schliesslich sein.

    Comment von bikepunk 089 — 13. November 2007 @ 16:31

  11. Wie ich kriege keinen Hummer (den Jeep meine ich, obwohl das Tier auch ganz gut schmeckt) im Kommunismus, bei euch piepts doch. Was ist mit den Robotern, die mir morgens das Frühstück servieren etc?
    Für die Vollautomatisierung der Arbeit (sehr dehnfähiger Begriff)!

    Comment von A.M.P. — 13. November 2007 @ 17:44

  12. upsie, es solte heissen „linken SA-Ähnlichkeiten zu unterstellen“.

    Comment von bikepunk 089 — 13. November 2007 @ 19:06

  13. @bkpnk: ich habe nicht die attentäter_innen mit der sa verglichen, sondern nur gesagt, dass der_die schreiber_in des artikels durch die art der begründung „so antikapitalistisch [ist], wie die sa es war“. vielleicht missverständlich formuliert, aber ich wollte damit nicht ausdrücken, dass sie in aller konsequenz der sa ähnlich sind, sondern nur, dass ihr antikapitalismus nicht den schleier des fetischismus lüftet, sondern auf dem ressentmentgeladenen, fetischistischen bewusstsein der massen aufbauen möchte. dieses bewusstsein trennt eben, was eigentlich untrennbar ist, abstrakt und konkret und möchte das abstrakte zugunsten des konkreten aufheben. hier gibt es eben deutliche gemeinsamkeiten mit der sa der 20er jahre. aber: ich sehe ein, dass ich hier nicht weit von der verharmlosung entfernt bin. korrekter wäre es vermutlich einfach den national-kommunistischen flügel der kpd als vorbild anzuführen, welche ja die zusammenarbeit mit den national-revolutionären der sa nicht gescheut haben.

    Comment von Administrator — 13. November 2007 @ 22:12

  14. es ist aber schon klar, dass “7er bmws für alle” keine erfüllbare forderung ist, wenn man einen vernünftigen umgang mit ressourcen voraussetzt?

    abgesehen von der umsetzbarkeit der forderung nach „7er bmws für alle“, die ja auch im kommunismus eine frage der ressourcen der natur bleiben wird, ist es doch so, dass ich nicht glaube, dass die bedürfnisse im kommunismus noch die selben sein werden wie heute. was man als utopie jenseits protestantisch-linker verzichts-gleichheits-horrorvorstellungen denken kann ist doch: es werden alle schädigungen, die die warenproduzierende gesellschaft für die menscheit so bereit hält, nicht mehr vorhandensein, jede_r wird ohne angst verschieden sein können und ansonsten: jede_r nach seinen fähigkeiten, jedem nach seinen bedürfnissen“.

    Comment von Administrator — 14. November 2007 @ 00:31

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