dates:maximal gegen deutschland.

maximal gegen deutschland.
die feste feiern damit sie fallen – so formulierte es einst anfang der neunziger die autonome antifa [m]. die feierlichkeiten zum dritten oktober und deren grund – die einheit deutschlands – existieren, anders als die legendäre gruppe aus göttingen, noch immer. kein grund zum feiern wenden da die einen ein. dem wäre zu erwidern, dass dann nie grund zu feiern wäre, solange mit der kapitalverwertung nicht schluss gemacht wird, solange nicht der marxsche imperativ verwirklicht ist. aber das würde das leben noch öder machen, als es unter kapitalistischen bedingungen schon notwendig ist. und so sollte man auch am dritten oktober das nutzen, was uns die ungeheure entfaltung der produktivkraft im kapitalismus an dingen bereitstellt um die langweile, die der kapitalismus auch produziert, erträglich zu machen. zu feiern heisst nicht: die kritik aufzugeben. zu feiern bedeutet verschnaufpause für die unzufriedenen und im besten falle ein vorscheinen des kommunismus im jetzt.

mixed #35

„mit freud“ stellt eine natascha wilting, die sich in berlin-kreuzberg gar schlimm gruselt, ganz schlimme dinge an. das original-dokument des grauens gibt es bei crull, eine neufassung in einem der fünf schlechten bücher die bei ca ira erscheinen müssen bevor wieder ein gutes erscheinen darf. den schwachsinn über die „psychopathologie des juden islam“ sehr gut zusammengefasst hat abdel kader.

die phase2.29 ist erschienen und widmet sich unter dem titel „unified vielfalt“ schwerpunktmäßig den vereinigten staaten von amerika. darin u.a. sebastian voigt zur entstehung und den elementen des „american exceptionalism“, ein artikel über das verhältnis der der linken in den usa zu nation und revolution am beispiel der zeitschrift „dissent“, sowie ein interview mit dem herausgeber dieser zeitschrift mitchell cohen. daneben kommt felix fiedler, der schon in der naturausgabe mit einem sehr guten artikel vertreten war, anscheinend auf eben diese ausgabe mit seinem artikel über den naturbegriff im philosophischen system t.w. adornos zurück. weiterhin bis jetzt gelesen und als kaufempfehlung dienend: jimmy boyle über freund_innen des dalai lama, phillip dorestal über „aimé césaire und die geburt der négritude“ und jana scheuring in „café cosmopolitan“ über die linke in frankreich. ps: abo!

nicht nur angesichts des terrors des seperatistischen mobs in bolivien von aktuellem interesse: ein artikel über die fußball-wm 1978 in argentinien aus 11freunde. in den siebziger jahren brauchte es noch keinen seperatismus, damals übernahm (nicht nur) in lateinamerika das militär mit unterstützung der nato-staaten einfach den ganzen laden. besonders in argentinien und chile „profitierten“ die militärs bei ihrem terror von über die rattenlinie eingewanderten nazis, die ihre methoden des terrors gerne mit den diktatoren und dem rechten mob teilten. recommended reading.

veranstaltungen gegen die ganze scheisse

die zentralen feiern zum tag der deutschen einheit finden dieses jahr in hamburg statt. die organisator_innen präsentieren deutschland als moderne kulturnation, samy deluxe schreibt ihnen ein multikulturelles deutschlandlied und pseudoalternative läden wie das haus73 feiern kräftig mit.

neben einem bündnis „autonomer und antifaschistischer gruppen“ gibt es auch ein zweites bündnis, von cosmojl als „the good ones“ bezeichnet. diese haben jetzt neben ihrem aufruf „137 jahre volksgemeinschaft“ auch termine und infos zu der von ihnen organisierten veranstaltungsreihe veröffentlicht. eine übersicht über die im rahmen der am 19. september beginnenden reihe stattfindenden veranstaltungen findet sich auch bei riotpropaganda.

spiegel-watch

schreibt spon so schön reisserisch:

ALTKANZLER-ATTACKE – Schmidt vergleicht Lafontaine mit Hitler und Le Pen

[hier]

und zitiert den greisen altkanzler:

„Wir sehen jetzt in Amerika, wie ein junger Mann, Barack Obama, allein mit Charisma zu einer nationalen Figur wird. Dabei darf man nicht vergessen, dass Charisma für sich genommen noch keinen guten Politiker ausmacht“, so Schmidt und begeht sodann einen Tabubruch: Auch „Adolf Nazi“ sei ein charismatischer Redner gewesen. „Oskar Lafontaine ist es auch“.

vergleichen wir doch einmal spon-überschrift und schmidt-zitat:
aufhänger für spon ist der vergleich von lafontaine (böse) mit hitler (böseböse). spon kritisiert schmidt in dem artikel zwar für den überzogenen und populistischen vergleich, übersieht aber, dass schmidt seinen vergleich an barack obama aufzieht. schmidt bezeichnet zunächst obama als „junge[n] mann“ der „allein mit charisma zu einer nationalen figur wird“ und bringt dann den vergleich mit „adolf nazi“ der auch charismatischer redner gewesen sei,worauf erst dann der zusatz kommt, dass lafontaine ein charismatischer redner ist. schon an sich ein ziemlich bescheuerter vergleich, denn die tatsache charismatischer redner zu sein sagt nichts über andere verwerfliche qualitäten dieses politikers aus. kann man bei bedarf auch bei max weber nachlesen. aber: nehmen wir den vergleich schmidts mal hin, dann tut er vor allem eines: er vergleicht barack obama (der neue messias) mit hitler (böseböse) und lafontaine (böse), also zwei deutschen oberschurken. das jedoch, den expliziten hinweis, kann spon seinen leser_innen nicht zumuten, würden diese doch vermutlich mehrheitlich nicht obama sondern eher g.w. bush in diese aufreihung von oberschurken stellen.

mein vergleich wäre übrigens kim-jong il, achmadinechad und sarah palin. durchgeknallte fundamentalisten die kontrolle über ein nuklearwaffenarsenal haben oder danach streben.

bolivien-content

Der Konflikt zwischen Cambas und Collas, die trotz aller Differenzen jahrzehntelang friedlich miteinander ausgekommen waren, droht in einen Bürgerkrieg zu münden, der ganz Lateinamerika in seinen Strudel ziehen könnte.

spiegel online ist mit diesem satz so nah dran an der wahrheit. aber halt nur fast. die konsequenz wird nicht mal gescheut, sie wird nicht wahrgenommen, kann gar nicht mehr gedacht werden. die naheliegende frage wäre doch: warum war es jahrzehntelang friedlich? einfach – fast zu einfach – die antwort: weil die einen sich ausbeuten liessen und die anderen in ruhe ausbeuten konnten. jetzt wo die unterdrückten aus dem hochland einen der ihren zum präsidenten gewählt haben und die ganz normale demokratie ihren lauf nimmt, also die ausbeutung zwar weiter existiert, weil das kapitalverhältnis nicht aufgehoben ist, die old-school ausbeutungsmethoden aber nicht mehr greifen, weil die interessen des staates und die der alten ausbeuter nicht mehr identisch sind üben sich die alten eliten in konservativer revolution. und wo immer eine solche ansteht ist die unterstützung dieser durch westliche medien garantiert. jahrhunderte andauernde unterdrückung ist ihnen kein hinreichender grund zur rebellion, die wahrung von besitzständen schon. wobei dabei weniger die richtige moral eine rolle spielt als vielmehr die tatsache, dass auch gute demokraten immer ihre prinzipien verraten (oder gerade ihnen treu bleiben) wenn die interessen, die sie sich zu eigen machen, im temporären widerspruch zu der demokratie des lexikons stehen.