gen-grütze in der jungle disko.

novo. war mir schon klar als ich nur die überschrift gelesen habe. angegraute streiter gegen öko und für atomkraft. jetzt wohl auch für gentechnik. nun ist an der anti-gen-hysterie (no pun intended) sicher einiges auszusetzen (weil an der gentechnik nicht unbedingt die methoden falsch sind – aber z.b. die risikoanalysen – sondern die gesellschaft in der sie angewandt werden, was im kapitalismus zu absurditäten wie dem teilweise vorhandenen nahrungsmittelmonopol von monsanto führt)und auch reaktionär-romantische ressentiments findet man en masse in entsprechenden anti-gen-publikationen – ob auf indymedia oder von der csu. aber: dann einfach das gegenteil zu machen ist billig. und wohl die schlechteste wahl. denn was thomas deichmann den kritikern der grünen gentechnik vorwirft: sie würden unsachlich und unwissenschaftlich argumentieren, das macht er selber. von rationaler analyse der life sciences sind der chefredakteur und wohl auch sein magazin – so weit ich es beurteilen kann – weit entfernt. wenn er den kritikern von gentechnik fortschrittsfeindlichkeit vorwirft so vergisst er seine fortschrittsgläubigkeit und erinnert damit an eine zeit, als die sowjetunion mit atombomben die landschaft neu modelieren wollte um besser landwirtschaft betreiben zu können. es zeigt sich aber vor allem: wenn vom kapitalismus nicht mehr geredet werden mag bleibt nur die flucht ins romantisch-reaktionäre oder den wahn des totalen fortschritts.

7 Kommentare


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  1. soweit ich das mitkriege, äussert sich der gen-fortschritt ja idr auch in erster linie im profit der saatguthersteller, dann evt bei den bauern – und leute ohne kohle hungern halt weiter, weil ohne kohle es nicht so einen unterschied macht, ob getreide jetzt 20% billiger angeboten werden kann dank höherer erträge.

    auch zb das lob des vitamin a-reises erscheint mit vA zynisch. da wird die tatsache, dass mio von menschen sich nich mal minimale mengen essen abseits von reis leisten können und deshalb erblinden, nicht zu einem argument gegen armut, sondern für aufgepeppten reis…

    Comment von bigmouth — 28. April 2009 @ 11:28

  2. ..bleibt zu fragen, was genau der „wahn des totalen fortschritts.“ ist
    und was ihn ausmacht ?

    Comment von worldschmerz — 28. April 2009 @ 18:33

  3. @bigmouth: exactly.
    @worldschmerz: „wahn des totalen fortschritts“ den wahn der das übel der gesellschaft nicht in der unvernünftigen organisation, ein- und zurichtung der derselben bzw. der sie bewohnenden subjekte, sondern im mangelnden technologischen fortschritt sieht. als würde technologischer fortschritt uns ins paradies führen. der technologische fortschritt kann helfen beim aufbau einer besseren gesellschaft, er allein bringt diese aber nicht. im kapitalismus entfesselt technologischer fortschritt tatsächlich auch größte barbarei. technik ist neutral, der mensch hat zu entscheiden ob for good or for bad. maschinenstürmerei und technikgläubigkeiten aus dem hause novo sind zwei seiten der selben falschen medaille. zum richtigen umgang mit technik vgl „maschinenwinter“ von Dietmar Dath.

    Comment von Administrator — 28. April 2009 @ 20:05

  4. Folgendes Zitat bringt den Fehler des Artikels schön auf den Punkt:

    Sie erscheint reaktionär, wenn vorsintflutliche Agrar- und Gesellschaftssysteme als Segnungen deklariert und zugleich Verbesserungen der weltweiten Ernährungslage aufgrund effizienterer Technologien mutwillig diskreditiert werden.

    Die gesellschaftlichen Gründe des Hungers gehen dem Schreiberling komplett am Arsch vorbei. Dass genügend Nahrungsmittel produziert werden, um die Weltbevölkerung zu ernähren, besagen sogar offizielle Statistiken. (Und solange Bauern in der EU Geld für die Stilllegung von Anbauflächen erhalten, kann man von einem absoluten Nahrungsmittelmangel eh nicht sprechen.) Dann müsste unser Freund des kapialistischen Fortschritts sich mal fragen, wieso so viele Leute von den Nahrungsmitteln ausgeschlossen. Die Antwort wäre: Privateigentum. Die haben zwar Hunger, aber kein Geld um die Nahrung zu bezahlen, sind kapitalistisch also uninteressant. Aber für solche Argumente interessieren sich die Freiheitsfreunde von der jungle world schon lange nicht mehr. (Wenn sie sich jemals ernsthaft dafür interessiert haben.). Da müsste man ja auch glatt daran zweifeln, ob das Lob des Kapitalismus gegenüber den „vorsintflutliche Agrar- und Gesellschaftssystemen“ so hinhaut.

    Man kann sich die Frage auch mal so stellen: Welche Gesellschaft ist perverser?

    Die, in der Hunger entsteht, weil man die Bedingungen der Nahrungsmittelproduktion nich ausreichend verstanden hat und sie deswegen nicht kontrollieren kann.

    Oder die, bei Menschen angesichts gefüllter Läden verhungern, weil der Reichtum auf den es kapitalistisch ankommt, der abstrakte Reichtum, den stofflichen Reichtum zerstört.

    Comment von kritiker — 28. April 2009 @ 20:23

  5. Wo ich gerade dabei bin. Was will der Autor uns mit diesem Satz sagen?

    So erklärt sich die neu-deutsche Eintracht beim Boykott einer (weiteren) Zukunftstechnologie.

    Mit der „weiteren Zukunftstechnologie“ ist ja gemeint, dass die Gentechnik nicht die einzige Menschheitshoffnung ist, die diese Romantiker zerstört haben. Auf welche andere Technologie könnte sich der Satz beziehen? Gibt der Autor da seine Vorliebe für die Kernkraft zu Protokoll?

    Comment von kritiker — 28. April 2009 @ 20:27

  6. Du wirst in der Gazzetta d‘ Ultrà bedacht. ;)

    Comment von besserscheitern — 28. Mai 2009 @ 16:56

  7. haha. zur nächsten usp-party geh ich im hansa-trikot. ;)

    Comment von Administrator — 29. Mai 2009 @ 00:09

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