kurz angemerkt #1

ideologiekritik tut den verhältnissen ähnlich weh, trägt zur abschaffung des kapitalismus ähnlich viel bei, wie das drehen von gebetsmühlen in tibet, das trinken von levitiertem wasser oder das vergraben von kultgegenständen bei vollmond.

das ewige lamentieren über die unmöglichkeit den kommunismus herbeizuführen dagegen erweist sich zunehmend als self-fulfilling-prophecy. verängstigt, pessimistisch, ohne selbstbewusstsein und ständig in sorge die barbarei könnte einzug halten (als wäre das hier und jetzt außerhalb der westlichen wohlstandszonen nicht schon längst barbarei) lässt sich der ganze scheiss dann nun wirklich nicht aufheben.

18 Kommentare


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  1. ist jetzt endlich die zeit der verbesserungsvorschläge, „konstruktiven kritik“, fakten-fakten-fakten, positive thinkings, des die-ärmel-hochkrempelns, kräftigen anpackens und heimwerkermäßigen ranklotzens für die legendäre symbolische politik gekommen, ja? oder hast du schon ein neues revolutionäres subjekt im ärmel, von dem noch keiner weiß, nachdem die revolution in heiligendamm letztes mal ausgefallen ist? oder wolltest du nur als durchhalteparole einmal verbreiten: „seit doch nicht so negativ“?

    Comment von _-_ — 12. September 2009 @ 01:26

  2. ach bitte, dass alles halluzinierst du darein. ich plädiere hier nicht für optimismus, konstruktive kritik, verbesserungsvorschläge und kräftiges anpacken. sondern weise a) darauf hin, dass ideologiekritik nichts als esoterik ist und b) dass endlich schluss sein muss mit dem sich selber schlecht-reden, mit der unbewussten übernahme des unsinns vom „ende der geschichte“, es gibt gute gründe pessimistisch zu sein (negativ zu sein eh…) aber „Je unmöglicher der Kommunismus ist, desto verzweifelter gilt es für ihn einzutreten“ statt verzweifelt dem mythos der schönen bürgerlichen gesellschaft hinterherzutrauern sollte trotzdem drin sein.

    Comment von Administrator — 12. September 2009 @ 01:47

  3. Bald bist Du beim GSP! Ich find das gut.

    Weißt Du: Ideologiekritik ist nichts besonderes, kein Wert für sich. Wenn man eine Ideologie wie die Religion kritisiert, dann ist es eben eine Ideologiekritik.

    Comment von Fredo — 12. September 2009 @ 07:29

  4. fredo, ich hätte „ideologiekritik“ schreiben sollen und hinzufügen sollen, dass ich „ideologiekritik“ meine im sinne von bahamas et al, wo es eben zum wert für sich wird. und das ist dann esoterik.

    Comment von Administrator — 12. September 2009 @ 09:57

  5. „aber „Je unmöglicher der Kommunismus ist, desto verzweifelter gilt es für ihn einzutreten“ statt verzweifelt dem mythos der schönen bürgerlichen gesellschaft hinterherzutrauern sollte trotzdem drin sein.“

    dem würde ich soweit auf jeden fall zustimmen, will aber nur noch den ollen marx aus der ‚deutschen ideologie‘ (http://www.mlwerke.de/me/me03/me03_017.htm#I_I_A_2) – in deinen augen vermutlich auch so ein okkultistischer ideologiekritikschrott – zitieren: „Diese vorgefundenen Lebensbedingungen der verschiedenen Generationen entscheiden auch, ob die periodisch in der Geschichte wiederkehrende revolutionäre Erschütterung stark genug sein wird oder nicht, die Basis alles Bestehenden umzuwerfen, und wenn diese materiellen Elemente einer totalen Umwälzung, nämlich einerseits die vorhandnen Produktivkräfte, andrerseits die BILDUNG EINER REVOLUTIONÄREN MASSE, die nicht nur gegen einzelne Bedingungen der bisherigen Gesellschaft, sondern gegen die bisherige „Lebensproduktion“ selbst, die „Gesamttätigkeit‘., worauf sie basierte, revolutioniert – nicht vorhanden sind, so ist es GANZ GLEICHGÜLTIG FÜR DIE PRAKTISCHE ENTWICKLUNG, ob die Idee dieser Umwälzung schon hundertmal ausgesprochen ist – wie die Geschichte des Kommunismus dies beweist. […] Die Existenz revolutionärer Gedanken in einer bestimmten Epoche SETZT BEREITS DIE EXISTENZ EINER REVOLUTIONÄREN KLASSE VORAUS, über deren Voraussetzungen bereits oben (p. [33-36]) das Nötige gesagt ist.“

    was du da schreibst, hört sich fast so an, als ob das bewußtsein der ideologiekritiker (oder halt der zahlenmäßig doch recht begrenzten bahamiten) schuld daran sei, daß es mit der famosen kommunistischen revolution bis auf den heutogen tag nichts wurde.

    Comment von _-_ — 12. September 2009 @ 12:07

  6. nein, natürlich sind ideologiekritiker_innen nicht an der miserablen situation der welt schuld. das wäre bescheuert zu behaupten. ideologiekritik rührt weder an den verhältnissen, noch zementiert es sie. es ist schlichtweg egal.

    die verängstigte linke ist auch nicht schuld an den verhältnissen, aber je unmöglicher sie den kommunismus redet desto mehr macht sie ihn unmöglich, weil sie dynamiken, die möglichweise im sinne von marx zur „revolutionären klasse“ führen könnten nicht mehr wahrnehmen kann, bzw. nicht mehr darauf einwirken kann. das unbehagen an den vehältnissen auszudrücken wird den verschwörungstheoretikern und anderen spinnern überlassen.

    Comment von Administrator — 12. September 2009 @ 12:24

  7. sofern die kritik der ideologie etc. darauf beschränkt ist, bloß „das bewußtsein zu verändern, läuft (sie) auf die forderung hinaus, das bestehende anders zu interpretieren, d.h. es vermittels einer anderen interpretation anzuerkennen“ (wieder mew3) – richtig. heißt das deiner auffassung nach dann im direkten umkehrschluss, daß man die ideologie in zukunft als irrelevanten „überbau-scheiß“ getrost ignorieren kann?

    Comment von _-_ — 12. September 2009 @ 12:52

  8. Diese vorgefundenen Lebensbedingungen der verschiedenen Generationen entscheiden auch, ob die periodisch in der Geschichte wiederkehrende revolutionäre Erschütterung stark genug sein wird oder nicht

    ach, und wie gestalten sich die lebensbedingungen denn so im hier & jetzt? der ideologiekritiker vermag natürlich wieder mal die schädigungen nicht zu erkennen, die die „vorgefundenen lebensbedingungen“ der mehrheit der menschen zufügen. geschweige denn dass er diese mal kritisiert und den menschen aufzeigt, wie brutal das von ihnen affirmierte system ist. – und dass sie IM HIER UND JETZT genügend gründe haben, der scheisse ein ende zu bereiten! er wartet lieber darauf, dass es die „revolutionäre masse“ in den sozialismus trägt.

    war dein „eintreten“ jemals mehr als bekenntnishafte persönlichkeitspflege?

    es ist schlichtweg egal.

    nein ist es nicht. denn sie verbreiten eine revisionistische ideologie, in deren mittelpunkt die behauptung steht, die menschen würden durch die geschichte flutschen. ML, neu aufgelegt. nur dass die MLer alles immr positiv sahen/sehen (immer weist alles richtung sozialismus!), bahamiten alles negativ (immer weist alles in richtig „barbarei“!). beiden gemeinsam ist der verzicht, den leute mal was zu erklären und sie für ihre fehler zu kritisieren. --> passivität. wenn derzeit – von der geschichte her – nicht mehr drin ist, ist dem halt so. kann man nix machen … damit ist alles abgesegnet inkl. der eigenen passivität (und dem klein bisschen aktivität = systemverteidigung; denn das tun bahamiten natürlich auch, die geschichte ist ja noch nicht bereit! und achtung: barbarei! muss man die leute ermahnen! sind ja alles nazis, diese linken! die wollen zT gar nicht auf die geschichte warten!).

    Comment von quak — 12. September 2009 @ 13:49

  9. @quak-frosch: 1. hast du den kommentar offentsichtlich nicht begriffen oder absichtlich mißverstanden.
    2. sog. bahamiten wie gegenstandpünktler (zu denen man dich anhand deines roboter-sprechs wohl zählen darf) sind bei allen meinungsverschiedenheiten im wesentlichen das, was marx unter die rubrik „kritische kritik“ subsumiert hat.

    Comment von _-_ — 12. September 2009 @ 15:50

  10. ich habe schon verstanden. du bist ein ML-geschichtsphilosoph.

    Die Waffe der Kritik kann allerdings die Kritik der Waffen nicht ersetzen, die materielle Gewalt muß gestürzt werden durch materielle Gewalt, allein auch die Theorie wird zur materiellen Gewalt, sobald sie die Massen ergreift.

    Comment von quak — 12. September 2009 @ 18:25

  11. „gegenstandpünktler“ ich teile in der tat einiges vom GSP, aber nicht alles. „roboter-sprech“ demonstriert vor allem deine hilflosigkeit. sonst wärst du auf diese billige masche nicht angewiesen. *fremdschäm*

    Comment von quak — 12. September 2009 @ 18:28

  12. @quak-frosch: inwiefern geht denn aus den zwei marx-zitaten geschichtsphilosophie oder gar „ml-geschichtsphilosophie“ hervor? gerade die ‚deutsche ideologie‘ enthält wichtige passagen zur kritik an jeder geschichtsphilosophie. aber das kapierst du ohnehin nicht, weil du nicht viel mehr kennst als deine grauen hefte, mit denen du „die leute“ – typisch für „euren“ akademischen klugscheisser-“marx“ismus, von der lohnarbeiterklasse zu schweigen – in naiv aufklärischer manier zu gsp-borgs mit massig argumenten assimilieren willst.

    Comment von _-_ — 12. September 2009 @ 19:10

  13. nicht zu fassen. da sag ich ihm, dass ich kein „gsp-borg“ bin, und dann macht er einfach so weiter. das hält er wahrscheinlich auch für ideologiekritik …

    die behauptung in dem zitat ist doch dass es auf die lebensbedinugungen ankomme. nun frage ich: was sind denn die lebensbedingungen heute? erklär mal.

    die wahrheit ist doch, dass die lebensbedingungen vorhanden sind, die menschen genügend grund hätten für einen umsturz, aber das system affirmieren. es ist daher notwendig die menschen zu kritisieren und aufzuklären.

    du zitierst da aus dem abschnitt, wo marx leider in eine geschichtsphilosophie fällt, die dann der ML perfektioniert hat. und es ist genau diese geschichtsphilosophie, die zu einer anbiederung an die angeblich „revolutionäre masse“ führt. die liebe zur „masse“ will man ja nicht aufgeben, und statt deren fehler zu kritisieren, labert man was von wegen, die lebensbedingungen seien halt noch nicht so. da kann man sie dann auch nicht kritisieren für ihren mist! – das ist die ML-version. bahamiten drehen das lediglich negativ.

    Comment von quak — 13. September 2009 @ 18:12

  14. lern‘ erstmal lesen und denken, kleines hans-güntherchen, bevor ich mit dir weiterdiskutiere.

    Comment von _-_ — 13. September 2009 @ 19:30

  15. oho, wir ham bescheuerte privatbriefe von adorno gelesen, und kennen daraus ganz dolle beleidigungen für deutsche, na toll na toll

    Comment von bigmouth — 13. September 2009 @ 23:40

  16. als wäre das lametieren über die derzeitige unmöglichkeit des Kommunismus willkürlich. Ich frage dich, wo siehst du denn den Kommunismus? Und okay, die barbarei wütet auf der Welt. Das soll einen beruhigen und nicht dazu verleiten an dem elenden westlichen status quo festzuhalten?
    Und Ideologiekritik ist sicherlich nicht alles, aber sie hält die Befreiung immerhin weiterhin denkbar.

    Comment von phex — 14. September 2009 @ 15:50

  17. phex, ich sehe den kommunismus auch nicht hinter der nächsten ecke hervorlugen. aber eine realistische einschätzung der welt und die neoliberal und vom glauben an den sachzwang durchwirkte sicht auf die welt sind zwei verschiedene sachen. gerade teile der linken, die 1990 nicht zur sozialdemokratie sich gewandelt habenj sondern weiter radikal dagegen waren sind jetzt plötzlich propagandisten des freien westens.
    und die barbarei wütet ja nicht trotz des westlichen status quo. dieser status quo der uns ein halbwegs erträgliches auskommen noch ermöglicht sorgt doch gerade dafür, dass in anderen ländern menschen sich glücklich schätzen dürfen wenn sie in den fabriken die uns mit gütern versorgen zu tode schuften können. unser reichtum ist auf dem elend der welt gebaut. und das ist kein sachzwang sondern resultat der kapitalistischen verwaltung der welt.

    Comment von Administrator — 16. September 2009 @ 22:34

  18. schon belustigend, von den kritikern der ideologiekritik die argumente für ideologiekritik geliefert zu kriegen. ist halt so eine frage, wie man die „leute“ davon überzeugen will, daß deren schädigung im hier und jetzt die gründe dafür liefern soll die verhältnisse umzuwerfen, wenn man nicht von ideologie reden will. denn um die geschädigten mit den widersprüchen zu versöhnen und die interessen der herrschenden klasse zu den ihren zu machen, weil sie ein gesamtinteresse vorgeben, dafür ist die ja da. also von marx habt ihr das nicht!

    Comment von skp — 21. September 2009 @ 23:58

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