kühe, schweine, ostdeutschland – fusion 2007

ich war ja vorher skeptisch. fusion, das hippie-festival in mecklenburg, deutschland-beflaggt und jan-delay-zum-ärgern-der-antideutschen-einladen, das waren meine ersten assoziationen. nicht wirklich überzeugend. und auch der enthusiasmus der mitfahrenden im vorfeld konnte und wollte mich nicht so recht erfassen. das line-up wusste dann aber zu gefallen und statt der skepsis stellte sich neugier ein.

(source.)

die begrüßung auf der fusion war gleich anständig, zwei autos in der doch recht kurzen schlange bei der bändchen-vergabe-station mit naziaufklebern. einmal „i love germanische neue medizin“ und einmal „death in june“. danach konnten jedoch keine weiteren nazis gesichtet werden. und auch ihr reziprokes pendant, die hippies, waren nicht in den befürchteten massen vorhanden und abseits von trancefloor und dub-station nur selten anzutreffen. und der testosteron-schweinezucht-hormon bodensatz sammelte sich zum glück und fast ausschließlich auf dem – dafür extra vorgesehenen – trancefloor. da einige aus meiner posse unverständlicherweise auch von trance sich angezogen fühlten schaute auch ich mich dort einige male um. ein erschütterndes bild: kaputte hippies wälzten sich im schlamm, die erwähnten hormonopfer, die – von mdma vorübergehend etwas entbarbarisiert – in hippiemanier kleine lila fähnchen schwenkten. wäre die musik nicht so grausam und der gestank nicht so unerträglich gewesen, ich hätte mir die freakshow durchaus noch länger gegeben. morbiden unterhaltungswert hatte es definitiv.

dank dieser ästhetischen müllhalde konnte die fusion ansonsten überzeugen. ein audiovisueller overkill. überall sachen die zu entdecken waren, überall neue musik. man kam aufgrund des umherstreifens und -flanierens kaum zum tanzen. was auch daran lag, dass sich selten ein flow entwickeln und über längere zeit zu halten vermochte, zu wenig waren die sets musikalisch aufeinander abgestimmt. eine großartige ausnahme bildeten hier die sets von eule und kombinat 100 (?) am sonntag nachmittag/abend auf der seebühne. chloé war auch sehr gut, nur leider war das turmbühnen-vergnügen am sonntag-abend dank starker geruchsbelästigung doch sehr eingeschränkt. als die nase noch weniger beim tanzen leiden musste, am samstag morgen, wussten sowohl extrawelt als auch der nachfolgende oliver koletzki zu überzeugen und zum raven am frühen morgen zu animieren.

live konzerte interessieren mich momentan nur noch wenig. man kann nur selten dabei tanzen und das rumstehen und hals verrenken nervt in der regel nach einer halben stunde. das erste konzert auf der fusion – bei alec empire war ich wegen überfüllung nur 5 minuten – war robots in disguise am samstag auf meinem favorite floor – der seebühne. nach wenigen minuten hatten die beiden robots dafür gesorgt, dass ich die abneigung gegen konzerte komplett vergaß. es war tanzbar, es war großartig, es war nie langweilig und nichts war mehr als gute laune. großartige musik die perfekt live präsentiert wurde, da störte es auch nicht, dass die texte euro-nationalistisch und pro-berlin waren. in diesem moment hätte mich kein noch so unerträglicher text verstören oder gar meine gute laune zerstören können. viel zu früh war das konzert dann zu ende. ich kann mich nicht erinnern wann ich je das gefühl hatte, die band hätte noch stundenlang weiterspielen können. robots in disguise haben es als eine von wenigen bands drauf ein konzert dann zu beenden, wenn es am schönsten ist.

nach diesem paradiesischen erlebnis folgte dann schon gleich das nächste highlight: stereo total. seit ewigen zeiten einer meiner favorite artists, mit ihrem song „exakt neutral“ namensgeber_innen des blog untertitels. das konzert wurde bequem vom datscha-balkon aus betrachtet. hier war die musik zwar etwas zu leise, dafür war der blick auf die bühne sehr gut und auch die massen von oben zu betrachten war sehr beeindruckend. rückblickend waren stereo total zwar nicht ganz so gut wie robots in disguise, aber auch sie spielten zu kurz und sorgten für gute laune. nur das ambiente – der blick über das gelände bei einbrechender dunkelheit – war noch ein bisschen besser. nach stereo total war dann auch schluss mit konzerten und betrunken, und voller guter laune wurde sich nur noch dem tanzen, umherstreifen und friends treffen gewidmet.

epilog:
ich kann mich dem fazit von torsun: „tolle leute, tolle stimmung, tolle musik… toll, toll, toll!!!“ nur anschliessen. nächstes jahr bestimmt wieder. danke an meine posse und an die friends man nach langer zeit auf der fusion – zufällig oder geplant – wieder einmal treffen konnte. guter vorsatz für nächstes jahr: more rave – less talk.

bei selbstmordparty und shlomo gibt es schicke fotos zu betrachten und im fusion forum tummeln sich die üblichen verrückten und diskutieren über „den verfall der fusion“, „coca-cola auf der fusion“ oder darüber, dass „nazis wegtrampeln“ doch böse weil nicht gewaltfrei sei. besser als fernsehen.

9 Kommentare


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  1. […] auch wenn jetzt schon so viele berichte geschrieben wurden, und ich aufgrund meiner bis gestern defekten dsl-leitung etwas spät dran bin, wollte ich doch noch ein paar sätze über mein persönliches festival-erleben verlieren. fangen wir von vorne an. aufgrund des dauerregens knickten wir den plan der mittwochs-anfahrt, packten stattdessen nur das auto, sodass wir es immerhin gschafft haben, donnerstag um 12 uhr dort anzukommen, und die sonn schien! dann aber die erste enttäuschung: alle a-zeltplätze waren belegt, aktuell war sowas wie c4 (richtig weit weg) im angebot, ein paar stunden später hätte man vielleicht noch auf die b-plätze (etwas weniger weit weg, dafür mit vollem trance-floor-sound) kommen können. nach kurzer genervtheit dann die glorrieche idee: bei der anfahrt hatten wir gesehen, dass der autofreie a3-platz noch relativ leer war. also fuhren wir auf a5, stellten die karre ab und marschierten mit sack und pack einige male rüber zur backpacker-zone, was die beste entscheidung überhaupt war. dort gab es endlos platz, und vor allem hielt der sich auch einigermaßen im laufe des festivals, sodass diverse nachzügler_innen ihre zelte bei uns aufschlagen konnten und es trotzdem noch mehr platz zwischen den zelten gab als anderswo. der neue pavillon hatte zwischenzeitlich etwas mit den regenstürmen zu kämpfen, aber dafür waren wir umso zufriedener, vor der abreise noch zwei weitere seitenwand-planen erworben zu haben, die einen regenschutz gewährten, den wir nicht hätten missen wollen. mit fleischsüchtigen zu campen hat übrigens den vorteil, dass man sein brot (auf alufolie) toasten kann und gegrillter hallumi zum frühstück ist auch nicht zu verachten. den donnerstagabend konnte ich schön mit lange nicht gesehenen alten freunden verbringen, das im richtigen augenblick zufällig die richtige person treffen hat auch geklappt und der erste sonnenaufgang, der den völlig ausgekühlten körpern wieder leben einhauchte, war mal wieder fusion-typisch wunderschön: am freitag plagten mich leider tagsüber kopfschmerzen (merke: paracetamol verschlimmt, doch ibuprofen hilft), die sich aber glücklicherweise zum abend hin, den ich wie den samstag eher in der zwischen den üblichen vertrauten oszillierenden bezugsgruppe verbrachte, auflösten. habe zwar weder console noch alec empire gesehen, aber hatte trotzdem einen sehr schönen abend, von dem mir noch das tanzen an der turmbühne und der leckere kakao im trüben morgengrauen im gedächtis geblieben sind. über den samstag haben auch andere schon geschrieben. ich habe auch robots in disguise, die ich sehr cool fand, und stereo total gesehen, von deren auftritt ich hier noch ein bild hätte: dann das erste mal nicht am sonntag gefahren, leider hatten allerdings einige freund_innen schon fertiggefeiert, als ich es am nachmittag dann mal richtung t(r)anzfläche geschafft hatte. trotzdem fand ich die zusätzliche letze nach super und würde das auch wiedermachen. die stimmung war die eines allgemeinen langsamen runterkommens, nachdem in der samstagnacht alles gegeben wurde, aber auch eines nicht-aufhören-wollens. die großen open-air-floors hörten alle irgendwann auf, stattdessen ging es in einigen hangars weiter. so sah ich beispielsweise im cabaret eine sehr nette band, die anscheinend laut programm zum cirque idyllic gehört, wo viele coole frauen zu drum’n‘bass-artigen klängen punkmäßig sangen. in der sonntagnacht hatten dann auch die bachstelzen ihren großen auftritt, es war knüppeldickevoll in dem “secret floor” zwischen theater und kino, nach derem namen schon woanders gefragt wurde, und wo es wohl angeblich auch noch bis dienstag weiterging – dann aber ohne mich. fazit: es war wieder so schön! und wann beginnt der vorverkauf fürs nächste jahr? […]

    Pingback von kristi * :: vages gedächtnisprotokoll — 5. Juli 2007 @ 19:10

  2. ich glaube wer einmal bei der fusion war kommt nich mehr los, war jetz auch schon mein 3. jahr..
    das forum hab ich mir auch schon angeguckt, ganz schön lustig was da so für unglaubliche scheiße zu finden ist ;)

    Comment von isabelle — 5. Juli 2007 @ 19:42

  3. nur nebenbei: ich kenne jede menge nichtnazis inklusive mir, die Death in June schätzen, und sogar jemanden, der mit ihrem ss-totenschädellogo am revers rumläuft, ohne nazi-ideologie auch nur im geringsten zu teilen

    Comment von bigmouth — 7. Juli 2007 @ 12:03

  4. hm, meien kommentare unter „bigmouth“ landen in deinem spamfilter

    Comment von hmpf — 7. Juli 2007 @ 12:04

  5. @bigmouth
    ich kenne auch leute, die ss-uniformen tragen, habe mich aber auch dazu entschieden, diese symbole einfach mal anders zu lesen. objektivität muss als ideologie dekonstruiert werden, ist doch klar…
    bleibt nur zu hoffen, dass euer kreativ-tabuloser umgang mit ns-symbolik mal von einer sportgruppe „missverstanden“ wird.

    Comment von sakuska — 7. Juli 2007 @ 13:44

  6. „jemanden, der mit ihrem ss-totenschädellogo am revers rumläuft, ohne nazi-ideologie auch nur im geringsten zu teilen“

    Und mit solchen Idioten hängst Du also ab?

    Comment von lowrider — 7. Juli 2007 @ 15:46

  7. ab und an. ich hab ihm auch gesagt, wenn er mal einen ins gesicht kriegt, dann kann er sich nicht beschweren. ich persönlich würde das nicht tun, aber es stört mich nicht extremst

    Comment von bigmouth — 8. Juli 2007 @ 13:40

  8. Was für ein schlechter erster Absatz….. Unglaublich!!!! Wer so intolerant ist, sollte beim nächsten mal lieber zu hause bleiben!!!! Sie, herr administrator, haben die Philosophie der Fusion definitiv nicht verstanden und haben dort auch nichts zu suchen….

    Comment von lastnova — 12. September 2007 @ 18:52

  9. […] Einige Fusionisten sind dafür bekannt, dass sie sich unreflektiert mythologischem Kitsch unterwerfen und diesen weit über die Grenzen des Festivals hinaus zur Lebensattitüde machen. Die Fusion ist ein mal im Jahr Marktplatz für deren Utopien von einem Gegenentwurf der bestehenden Gesellschaft und verleitet zu Grenzverwischungen. Doch auch diese relative Offenheit ist auf dem Lärzer Flugplatz nur begrenzt wirksam – so stehen ausgemachte Nazis, selbständige Gestaltungskünstler oder Sexisten außerhalb der pseudoharmonischen Fusiongesellschaft. Dass die Fusionisten -wie noch im letzten Jahr unter dem Motto “Vier Tage Ferienkommunismus” polemisch propagiert wurde- unter keinen Umständen aus den deutschen Verhältnissen herauskommt (zahlreiche Deutschlandfahnen zur WM2006 waren Paradebeispiel dafür, haben auch die Fusionmacher erkannt und fassen diese Illusion unter dem Stichwort “Selbsttäuschung als Überlebensstrategie”. Alles gut? Mit Nichten! Man wird auch in diesem Jahr nicht an den unannehmlichen Begleiterscheinungen der Fusion vorbeikommen und sich am Samstag einer Horde Prollos gegenüber sehen. Bleibt zu hoffen, dass die türkische Nationalmannschaft am Mittwoch die deutsche aus der WM katapultiert, dann wäre vermutlich der deutsch-nationale Hype gebremst und somit eine Sorge weniger auf der Fusion. Ansonsten müßte die russische Nationalelf am Sonntag einen Akt der Befreiung vollführen, um einigen Deutschpatrioten das zeitgliche Fusionfinale gründlich zu vermiesen. […]

    Pingback von Tankstelle für die Seele « commander master chief — 24. Juni 2008 @ 18:11

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